Folkfestival Lenzburg


Identifikation

Signatur:

Ar 707

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1972-2021

Umfang:

0.2 m


Kontext

Abgebende Stelle
Urs Hostettler und Ueli Fricker
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Das Folksfestival war ein Musikfestival, das zwischen 1972 und 1980 auf Schloss Lenzburg im Kanton Aargau ausgetragen wurde. Initiator war Daniel Perret vom British & American-Folksong Club Zürich. Zusammen mit Dick Watts und Ueli (Chita) Fricker vom Folk Club Bern organisierte er das erste Folkfestival auf der Lenzburg im Juni 1972. Das Festival wurde als Erfolg wahrgenommen und die Beteiligten waren sich einig, das Festival im kommenden Jahr fortzusetzen und zu erweitern. Unter Beizug von Kassier Helmut Marschall und Radioredaktor Benno Kälin konstituierten sich die Organisatoren als Verein. Mitglieder von Schweizer Folk Clubs wirkten als Helfer. Die Festivals von 1972 und 1973 waren eintägige Veranstaltungen, ab 1974 wurde das Festival jeweils an zwei Tagen ausgetragen. Anfänglich wurde das Programm fast vollständig von Schweizer Gruppen/Bands und Einzelmusikern bestritten, wobei immer auch Exponenten der Schweizer Volksmusik eingeladen wurden. Bereits 1973 traten renommierte Künstler aus dem Ausland auf: John James, Roy Bailey und Johnny Handle. Die Besucher-Kapazität von Schloss Lenzburg blieb weit hinter der Nachfrage zurück, so dass die Eintrittstickets ab 1974 verlost wurden.

1977 wurde am ersten Juli-Wochenende erstmals auch das Folkfestival auf dem Gurten bei Bern durchgeführt, wo im Gegensatz zur Lenzburg fast unbeschränkt Platz vorhanden war. Lenzburg und Gurten hatten verschiedene Gesichter, trotzdem kam es zu einer Zusammenarbeit der beiden Festivals. Die internationalen Gäste konnten an zwei Festivals auftreten, zudem gab es nun auch für jene, die in Lenzburg kein Ticket zugelost bekamen, eine echte Alternative.

Das neunte Lenzburger Folkfestival von 1980 verlief nicht ohne Friktionen und Spannungen; es herrschten miserable Wetterbedingungen und es mangelte allgemein an Begeisterung. Zum Hintergrundrauschen gehörte die 80-er Jugendbewegung, die von Zürich aus als Jugend- und Kulturrevolution auf andere Schweizer Städte überschwappte. Dazu passte schlecht, dass die Organisatoren mehr Tanzmusik eingeplant als in früheren Jahren und auch die traditionelle Schweizer Volksmusik bestens vertreten war. Angesichts der Ereignisse in Schweizer Städten schien ein unbeschwertes Tanzen zu Country-, Celtic- oder Ländlermelodien wenig angebracht.

Der engagierte Liedermacher Walter Mossmann aus Freiburg i.Br. war zum zweiten Mal eingeladen. Bereits 1977 war er in Lenzburg aufgetreten, zog es aber vor, bei der gleichzeitigen Demo gegen das AKW Gösgen mitzumachen. Nun war ihm inmitten der Jugendrevolte ein Festival mit Tanz und Tradition unerträglich. Er brach seinen Auftritt ab und wollte stattdessen über die aktuellen Ereignisse diskutieren, was zu einem Tumult führte. Ein Teil der Besucherinnen und Besucher solidarisierte sich mit Mossmann und verliess mit ihm unter Protest den Schauplatz. Im Anschluss an das Folkfestival von 1980 traten vier von neun Organisatoren traten zurück. Die Lenzburg entfiel als Austragungsort und wurde in den drei folgenden Jahren renoviert. Das neunte Folkfestival war dann auch das letzte.
Übernahmemodalitäten
Dem Schweizerischen Sozialarchiv übergeben am 22.03.2022. Der Bestand hat eine lange und verworrene Geschichte. Zwischen Urs Hostettler und dem Schweizer Volksliederarchiv besteht eine jahrzehntelange, enge Bindung. In diesem Kontext wurde ursprünglich entschieden, alles Material, insbesondere auch die Tonaufnahmen, ins Volksliederarchiv der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde zu geben. Dort sind die Tonaufnahmen inzwischen auch eingetroffen, aber nach wie vor nicht online. Weil in Basel alles schleppend vor sich ging, haben sich U. Hostettler und U. Fricker entscheiden, das Schriftgut ins Schweizerische Sozialarchiv zu geben.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Die Unterlagen wurden von Ueli Fricker chronologisch geordnet. Die vorhanden Ordnung wurde unverändert übernommen. Der Bestand enthält Protokolle und einzelne Sitzungsunterlagen, Programmhefte und Flyer, hand- und maschinenschriftliche Notizen (Programm, Künstler, etc.), Zeitungsartikel und vereinzelte Korrespondenz. Ferner sind Bilddokumente und einzelne Objekte vorhanden, sowie ein Briefwechsel zu Lenzburg-Archivalien, Bild- und Tondokumenten und zum Film «Folkfestival Lenzburg 1974» von Silvio Ballinari. Einzelne Fotos wurden, in Absprache mit den Donatoren, bewusst in den Schriftgutdossiers belassen.
Bewertung und Kassation
Es wurden keine Kassationen vorgenommen.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Das Tonbandmaterial der Folkfestivals auf der Lenzburg (1972-1980) befindet sich im Volksliedarchiv der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde in Basel.

Veröffentlichungen

Urs Hostettler: Über die schweizerische Folkbewegung. In: Schweizer Volkskunde 71 (1981), S. 73–77


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet Ende März 2022 von M. Schuler und U. Kälin.