Lindenmaier, Christoph


Identifikation

Signatur:

Ar 1052

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1973-2009

Umfang:

1.1 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Christoph Lindenmaier (29. Oktober 1953 – 29. März 2009) war ein Schweizer Radiopionier, dessen Beitrag zur Entwicklung nichtkommerzieller Radios in der Schweiz und darüber hinaus zentral war. Er verband grosses technisches Fachwissen mit medienpolitischem Engagement und einer konsequent ethisch-humanitären Haltung.
Schon in seiner Jugend interessierte er sich für Radiotechnik und baute sich seinen ersten Sender. Beruflich schlug er zuerst jedoch einen anderen Weg ein: Nach dem Gymnasium nahm er ein Medizinstudium auf, welches er 1980 abschloss. In der Studienzeit absolvierte er Einsätze für das Rote Kreuz, wobei er für die Radiokommunikation verantwortlich war. Mit seinem Bruder zusammen gründete er 1979 aber bereits die Firma "RED-EL", welche sich auf einfach bedienbare und handliche Radioanlagen spezialisierte. Dabei hatte er eine nichtkommerzielle Verwendung im Sinn und verstand seine Arbeit als Beitrag zur Demokratisierung der Medien. So gehörte er in Zürich zu den Gründungsmitgliedern des Radio LoRa und unterstützte nichtkommerzielle Radios in der Schweiz, in Europa (insbesondere Österreich) sowie ausserhalb Europas, was RED-EL zu einer wichtigen Infrastrukturinstanz für freie Radios/Community Radios machte.
Sein technisches und medienpolitisches Wissen führte zu Lehrtätigkeiten im Ausland: In den frühen 1990er Jahren wirkte er an österreichischen Universitäten, unter anderem an den Instituten für Publizistik‑ und Kommunikationswissenschaften an den Universitäten Wien und Salzburg. Er vermittelte technische, aber auch ethische und politische Aspekte alternativer Medienarbeit und setzte sich für eine kritische Medienkompetenz ein. Dabei war die praktische Umsetzung des erworbenen Wissens offenbar Teil seiner Lehrtätigkeit: In den Akten findet sich ein Grobkonzept für ein studentisches Radio an der Universität Wien. In der Schweiz konnte er seine Expertise u. a. in die UKW-Studiengruppe "UKW '92" einbringen.

Neben seinem technischen Engagement war Lindenmaier medienpolitisch aktiv. Er war Mitbegründer der Union nicht-kommerzieller Lokalradios (UNIKOM) und 1986 Mitinitiator der Fédération européenne des radios libres (FERL), einem Netzwerk freier Radios auf europäischer Ebene. Diese Organisation erhielt bald Beobachterstatus beim Europarat und konnte so direkten Einfluss auf medienrechtliche Diskussionen in Europa nehmen, war aber auch international ausgerichtet, in dem sie Radioprojekte in postsozialistischen Ländern und die Entwicklungszusammenarbeit in Ländern wie Mali und Madagaskar unterstützte.
Sein Interesse an politisch ethischen Fragen führte Lindenmaier auch zu Longo maï, wo er u. a. für das Radio Zinzine wichtige Beiträge leistete sowie seine spätere Frau Kathi Hahn Lindenmaier und Hannes Lämmler kennenlernte. Mit Lämmer war er auch beim CEDRI (Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés) aktiv, woraus im Anschluss an den CEDRI-Kongress vom 5. zum 11. Mai 1986 - in Zusammenarbeit mit Radio LoRa - das Projekt "Gegen Rassismus überall" entstand. Am Kongress war eine Delegation des ANC mit Dulcie September anwesend, die CEDRI zum Finanzplatz Schweiz befragte, der die UNO-Sanktionen gegen das Apartheidregime faktisch unterlief. Lämmler zog daraufhin für zwei Jahre zu Lindenmaier nach Zürich, um die lokale Anti-Apartheid-Bewegung zu stärken.

Lindenmaier starb 2009 überraschend.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Wo nicht anders vermerkt, umfasst ein Dossier jeweils eine Mappe.
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Dubletten und einzelne Dokumente mit geringem historischen Wert sowie Zeitschriften und Monografien, welche nicht von der Bibliothek übernommen wurden. Die in der Bibliothek befindlichen Publikationen sind unter "Verwandte Verzeichniseinheiten" verlinkt.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen primär in deutscher Sprache, u. a. teilweise auch in englischer Sprache.

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet von L. Haag im August 2025.