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Villard, Arthur (1917–1995)


Identifikation

Signatur:

Ar 133

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1937-1995

Umfang:

2.0 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Sohn eines Uhrmachers; Ausbildung im bernischen Seminar in Pruntrut (1933-1937); danach während sechs Jahren ohne Anstellung; Villard betätigte sich als Heimarbeiter in der Uhrmacherei sowie als Hausierer. 1943-1951 Lehrer in Leubringen (Evilard); als Lehrer in der Tradition des französischen Pädagogen Célestin Freinet (1896-1966), der ihn in Leubringen besuchte. Nach der Entlassung bis 1953 arbeitslos. Danach Lehrer in Biel. Mitte der sechziger Jahre wurde er, unter dem Druck der Eltern und der Schulkommission, vom Bieler Gemeinde¬parlament erst im zweiten Anlauf wiedergewählt.

1963 forderte der Bieler Gymnasiallehrer Pierre Annen in vervielfältigten Schrei¬ben dazu auf, den Militärdienst zu verweigern, solange kein ziviler Ersatzdienst geschaffen sei. Villard hatte die 2500 Adressen aus der Bewegung gegen die atomare Aufrüstung zur Verfügung gestellt. Die Bundesanwaltschaft beschlag¬nahmte seine Kartei; Annen und Villard wurden zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt. 1965 verweigerte Villard seinen letzten Wiederholungskurs. Dafür verbüsste er 1966 eine Strafe von 45 Tage in der berüchtigten kantonalbernischen Strafanstalt Witzwil. 1968 wurde Villard wiederum verurteilt, als der die Militär¬effekten zurückgab. 1969 erfolgte eine Verurteilung, da er an einer Kundgebung gegen den Vietnam-Befehlshaber Westmoreland auf die Militärdienstverwei¬gerung hinwies.

Arthur Villard war in den sechziger Jahren Präsident der Internationale der Kriegs¬dienstgegner (IdK). Engagement für die Schweizerische Bewegung gegen atomare Aufrüstung. 1961 liess er sich als Lehrer in Biel für ein Jahr beurlauben und betreute das westschweizerische Sekretariat. 1963 kritisierte Villard an einem Friedenskongress im Kreml in aller Offenheit die sowjetische Atomrüstung.

1966 Wahl in den Grossen Rat des Kantons Bern, 1968 Wahl ins Bieler Stadt¬parlament. 1970 reichte Friedrich Dürrenmatt den ihm verliehenen Literatur¬preis an drei „Nonkonformisten“ weiter, darunter Arthur Villard, dem er einen „Psalm“ widmete.

1971 Wahl in den Nationalrat; 1975 Wiederwahl; seit 1976 nebenamtliches Mitglied der Bieler Stadtexekutive. Die Mitarbeit in der Militärkommission wurde ihm 1972 durch die bürgerliche Mehrheit verwehrt.

Aus Protest gegen einen Beschluss der Verantwortlichen des Bieler Volks¬hauses trat Villard 1979 überraschend aus dem Nationalrat zurück, nachdem er im gleichen Jahr in die Militärkommission gewählt worden war. Danach wirkte er als Lehrer für Longo mai in Südfrankreich.

Übernahmemodalitäten

Der Bestand wurde dem Sozialarchiv 1995 übergeben. Die Übergabe wurde betreut durch Willi Kobe.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält: Biographisches (Zeugnisse, Wahlbestätigungen, Manuskripte, Prozessakten etc.), Korrespondenz (u.a. mit Pierre Aubert, Max Daetwyler, Gustav Däniker, Andreas Gerwig, Jules Humbert-Droz, Léon Nicole, Hans Oprecht, Fritz Tüller). Unterlagen zu friedenspolitischen Organisationen: Schweizerische Friedensbewegung, Ostermarsch-Bewegung, Weltfriedensrat, Bewegung gegen die atomare Aufrüstung, Internationale der Kriegsdienstgegner, Service Civil International). Verschiedenes.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Fotodokumente im Bildarchiv.

Veröffentlichungen

Marcel Schwander, Arthur Villard - Pädagoge und Kriegsdienstgegner, in: Katharina Rengel (Hg.), Hoffen heisst Handeln. Friedensarbeit in der Schweiz seit 1945, Zürich 1995, S. 27-38.

Hansjörg Braunschweig, Zeitgeschichtliches zum Tod von Arthur Villard, in: Neue Wege, Nr. 7/8, Juli/August 1995, S. 238-241.