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Drittenbass, Maria (1919-2010)


Identifikation

Signatur:

Ar 167

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1900-2003

Umfang:

1.2 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Geb. am 21.03.1919 als Tochter von Joseph Albert Drittenbass und Antonie Drittenbass-Futterknecht, von Zürich, Gaiserwald SG und Oberbüren SG, Besuch der Schulen in Zürich. Maria Drittenbass zählte als junge Frau in den vierziger Jahren zu den Gästen in Rudolf Jakob Humms legendärem Rabenhaus. 1944 erschien ihr mehrfach preisgekröntes Buch «Bunte Schatten. Erzählung aus einer Kindheit», das eine Kindheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweiz beschreibt. In den Kriegsjahren engagierte sich Maria Drittenbass, wie ihre auch politisch aktive Schwester Toni Drittenbass (1912-1954), für politische Flüchtlinge sowie für Kriegsgefangene. Im April 1946 nach langjähriger Bekanntschaft Heirat mit dem Physiker Helmut Bradt; aus dieser Ehe ging die in den USA lebende Tochter Rachelle Bradt hervor. Nach dem Tod von Helmut Bradt Rückkehr in die Schweiz. In den sechziger und siebziger Jahren erschienen wiederholt da und dort einige ihrer Prosastücke; gelegentlich trug die Autorin in Lesungen aus ihren Manuskripten vor. 1963 Heirat mit Sabitaj Konfino (1914-2000), den Maria Drittenbass als Kriegsgefangenen in einem deutschen Offizierslager kennengelernt hatte. Gemäss der Genfer Konvention durften die Kriegsgefangenen einen Briefkontakt in die Schweiz haben. Sabitaj Konfino und Maria Drittenbass führten bis zur erleichterten Einbürgerung von S. Konfino im Jahr 1993, eine unkonventionelle Ehe auf Distanz.

Übernahmemodalitäten

Diese Unterlagen konnten mit der Unterstützung von Rachelle Bradt am 21. April 2011 aus dem Blinden-Wohnheim Mühlehalde übernommen werden.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält zum einen diverse unveröffentlichte Manuskripte von Maria Drittenbass, ihre Tagebücher sowie einen Teil ihrer Korrespondenz (u.a. mit Kurt Kläber, Slatan Dudow, Ignazio Silone, Rudolf Jakob Humm), zum andern Unterlagen ihrer Ehemänner: Helmut Bradt (1917-1950) und Sabitaj Konfino (1914-2000). Helmut Bradt war ein hoch begabter Kernphysiker, der 1934 von Berlin nach Zürich übersiedelte, um an der ETH Zürich Physik zu studieren. Von ihm hat sich eine umfangreiche Korrespondenz erhalten, darunter der faszinierende Schriftwechsel mit Renate Mai ("Ate“, „Lotte“, „Lilo“), der 1917 geborenen Tochter von Minna Flake (1886-1958) und René Schickele (1883-1940), die Helmut Bradt von der Berliner Arbeiterjugendbewegung her kannte. Renate Mai nannte sich nach 1936 dann Renée Schickele. Vorhanden ist auch der umfangreiche und erschütternde Schriftwechsel mit der Mutter, Frieda Bradt-Simion, um deren Ausreise aus Berlin sich Helmut Bradt verzweifelt, aber letztlich erfolglos bemühte. In diesem Zusammenhang leistete Albert Einstein eine Bürgschaft und in der Korrespondenz finden sich einige hand- und maschinenschriftliche Schreiben von Einstein (in Kopie; Originale in Familienbesitz). Was Sabitaj Konfino betrifft, sind in erster Linie dessen mehr oder weniger vollständig erhaltenen Briefe an Maria Drittenbass aus den Jahren 1961-1965 hervorzuheben.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher, englischer und französischer Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Tutti Jungmann-Bradt: Die Bradts - Jüdische Familiengeschichte aus Berlin 1870-1999 (The Bradts - History of a Jewish Family from Berlin 1870-1999, Englisch von James Stuart Brice), Konstanz 1999


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Geordnet und verzeichnet von U. Kälin im Mai 2011