Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Die Occupy-Bewegung ‚begann‘ mit einem Protestcamp am 17. September 2011 im Zuccotti Park in New York und breitete sich im weiteren Verlauf in verschiedenen Ländern aus; so auch in der Schweiz. Die Bewegung drückte eine Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen im Nachgang an die Finanzkrise 2008 aus. Sie war von Beginn an sehr heterogen und bewusst offen für ‚alle’. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Konsens und Basisdemokratie waren Grundprinzipien (oder auch Selbstzweck, könnte man kritisch sagen). Bemerkenswert ist auch, dass die Bewegung stark über die sozialen Medien v.a. Facebook und Telegram mobilisierte. In der Schweiz erfolgte die Besetzung des Paradeplatzes am 15.10.2011. Zwei Tage später, am 17.10.2011, wurde es bereits geräumt. Daraufhin zog das Camp auf den Lindenhof, wo es bis zum 15.11.2011 bestand. Im Anschluss an die Räumung wurde das Camp vorläufig von der City Kirche St. Jakob beim Stauffacher aufgenommen, wo es bis zum 01.12.2011 existierte. Anschließend folgte ein Aufenthalt auf dem Gelände der Roten Fabrik, bis sich das Camp schließlich in die Täler des Tessins verschob.
Die Kritik der Occupy Paradeplatz Bewegung lässt sich als ‚Globalisierungskritik‘ zusammenfassen. Die Kritik galt den Banken, dem Finanzsystem, der globalen Ungleichheit, Konzernen, der Spekulation mit lebenswichtigen Gütern. Zentrale Slogans waren: „Wir sind die 99 %“ und „Retten wir Menschen, nicht Banken“.
Die Offenheit und Heterogenität der Occupy Paradeplatz Bewegung bot Organisationen wie bspw. „We are Change Switzerland“ und Einzelpersonen wie Daniel Schriber Möglichkeit, Verschwörungserzählungen einzubringen. Deshalb finden sich auch Flyer, Drucksachen, Textproduktionen, die auf (antisemitische) Verschwörungserzählungen rekurrieren oder sich antisemitischer Bilder und Symbole bedienen. Gleichzeitig finden sich auch Unterlagen, die sich von antisemitischen Verschwörungserzählungen, rassistischen, sexistischen und faschistischen Positionen distanzieren.