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Winterhilfe Schweiz


Identifikation

Signatur:

Ar 487

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1936-2007

Umfang:

2.3 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Die Schweizerische Winterhilfe ist eine private Fürsorgeorganisation. Sie entstand im Kontext der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. Unter dem Namen „Schweizerische Winterhilfe für Arbeitslose“ konstituierte sich 1936 in Zürich ein parteipolitisch und konfessionell neutraler Verein (Präsident: Nationalrat Fritz Wüthrich). Er bezweckte die Durchführung einer gesamtschweizerischen Sammlung von Geld und Naturalien, womit in den Wintermonaten Arbeitslose unterstützt wurden. Schon 1937 wurde der ursprünglich auf eine einmalige „Aktion“ befristete Vereinszweck verstetigt und – im Zweiten Weltkrieg – erweitert: Zusätzlich zur Überbrückungshilfe bei krisenbedingten Engpässen kam nun die Linderung von kriegsbedingter Not hinzu. Im Auftrag der Behörden führte die Schweizerische Winterhilfe Massnahmen der Kriegsfürsorge aus (Teuerungsbeihilfen, Verbilligungsaktionen). Dabei schwächte sich die Orientierung auf die saisonalen Spitzen von Arbeitslosigkeit und Lebenshaltungskosten ab; die „Winterhilfe“ wurde ganzjährig aktiv. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Haupttätigkeit der Schweizerischen Winterhilfe immer die punktuelle Nothilfe in Form von Geld- oder Sachleistungen (Lebensmittel, Kleider, Heizmaterial, Betten, Nähmaschinen). Berücksichtigt wurden Notlagen primär von Familien, aber auch von Einzelpersonen infolge Krankheit, Arbeitslosigkeit, ungenügendem Verdienst oder Altersversorgung, Scheidung, lediger Mutterschaft, Brand- oder Naturkatastrophen. Neben der Notüberbrückung förderten einzelne Kantonalorganisationen stellenweise auch Bildungs-, Beratungs- und Erwerbsangebote, die zum Teil am Präventionsgedanken orientiert waren (Familienberatungsstellen, hauswirtschaftliche Kurse für Hausfrauen und Mütter, Vermittlung von Heimarbeit, Stipendien für alleinerziehende Mütter). Die Schweizerische Winterhilfe ging aus vom Prinzip der Subsidiarität: Nur dort soll sie eingreifen, wo die Hilfeleistungen der öffentlichen Einrichtungen oder bestehender privater Fürsorgewerke nicht beansprucht werden können oder nicht ausreichen. Ihre Mittel schöpfte sie vor allem aus Spenden (Bar und Naturalien), Erlösen von Verkaufs- und Sammelaktionen (Schneestern-Abzeichen), Legaten und Schenkungen, sowie zweitweise aus Zuwendungen von anderen Organisationen und aus Beiträgen der öffentlichen Hand (je nach Kanton und Gemeinde stark schwankend; zwischen 1939-1945 namhafte Bundessubventionen). Die Schweizerische Winterhilfe war regional breit verankert und stark dezentral organisiert. Die Kantonal- und Lokalkomitees besorgten unter Einsatz von Freiwilligenarbeit einen Grossteil der Mittelbeschaffung und Mittelverwendung. Seit der Statutenrevision Mitte der 1990er Jahre sind sie auch rechtlich eigenständig. In den meisten Kantonen waren Kleiderstuben teils bis in die 1990er Jahre feste Institutionen der Winterhilfe. Das Zentralsekretariat in Zürich organisierte gesamtschweizerische Aktionen (Abgabe von Birnel) sowie ergänzende Massnahmen in den Kantonen und übernahm Koordinations- und Propagandafunktionen. Ein Ausgleichsfonds, gespeist durch eine feste kantonale Beitragsquote, ermöglichte ein gezieltes Umlenken der Mittel zwischen den Kantonalorganisationen (Berghilfe). In Behörden, Fürsorgeorganisationen, Berufsverbänden, Gewerkschaften und den grossen Parteien war die Schweizerische Winterhilfe über Jahrzehnte hinweg gesellschaftlich und politisch breit abgestützt (langjährige Mitglieder u.a.: Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit; Bundesamt für Sozialversicherung; Schweizerischer Gemeinnütziger Frauenverein; Schweizerischer Caritasverband; Verband für Innere Mission und Evangelische Liebestätigkeit; Schweizerisches Arbeiterhilfswerk; Schweizerischer Gewerkschaftsbund; Schweizerischer Kaufmännischer Verein; alle Bundesratsparteien). Im Rahmen umfassender Reorganisationsmassnahmen Mitte der 1990er Jahre wurde der bisherige Name zu „Winterhilfe Schweiz“ geändert.

Übernahmemodalitäten

Der Aktenbestand der Schweizerischen Winterhilfe gelangte im Januar 2010 aus dem Zentralsekretariat an der Clausiusstrasse 45 in Zürich ins Schweizerische Sozialarchiv. Die Übergabe wurde von der Geschäftsleiterin Regina Hunziker-Blum betreut.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand der Schweizerischen Winterhilfe umfasst: Protokolle von Zentralvorstand, Generalversammlung und Mitarbeitertagung, Jahresberichte, Korrespondenz, Unterlagen zu Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und einzelnen gesamtschweizerischen Aktionen. Am Rand ist auch die Tätigkeit der einzelnen Kantonalkomitees dokumentiert. Vereinzelte Fotografien, die in innerem Zusammenhang in die Akten eingelegt waren, wurden dort belassen. Die Foto- und Plakatsammlung wurden der Abteilung Bild+Ton des Sozialarchivs übergeben.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden Mehrfachexemplare sowie Akten von rein organisatorischem Interesse (Buchhaltungsbelege, Personalakten, Bestell- und Rechnungskorrespondenz).

Neuzugänge

Neuzugänge werden erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Die Akten der Schweizerischen Winterhilfe sind im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs frei zugänglich. Es gelten die ordentlichen Benutzungsbestimmungen des Schweizerischen Sozialarchivs.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher, französischer und italienischer Sprache.

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde im Februar 2010 von Simon Wenger verzeichnet.