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Schweizerischer Friedensrat SFR, Conseil suisse des associations pour la paix CAP, Consiglio svizzero delle associazioni per la pace


Identifikation

Signatur:

Ar 76

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1945-1992

Umfang:

4.0 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Nach der Gründung der UNO 1945 stellte sich für die Schweiz die Frage, wie sie sich aus der internationalen Isolation lösen und einen friedenspolitischen Beitrag leisten könnte. Aufgabe der Friedensbewegung sei es, so verschiedene Vertreter/innen derselben, die Notwendigkeit einer aktiven Teilnahme an der Weltgemeinschaft breiteren Bevölkerungskreise bewusst zu machen. Der Mangel an Kooperation zwischen den Friedensorganisationen erschwere jedoch diesen Auftrag. Daher wurde am 2. Dezember 1945 der Schweizerische Friedensrat (SFR) als Koordinationsorgan der verschiedenen Friedensgruppen gegründet. Von den 22 an der Gründerversammlung anwesenden Organisationen erklärten acht ihren Beitritt und fünf traten unter Vorbehalt ihrer Vorstände und Mitglieder bei. 1946 zählte der SFR 18 Mitgliedorganisationen.

Zweck des SFR war die Koordination der friedenspolitischen Aktionen, die Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf die Probleme der internationalen Organisation und des Friedens sowie die Förderung eines Beitritts der Schweiz zur Organisation der Vereinigten Nationen (UNO). Nach 1946 verlagerten sich die Aktivitäten auf innenpolitische Themen, insbesondere den Zivildienst und die Forderung nach einer Verlängerung des Waffenausfuhrverbots. Mit den innenpolitischen Themen traten die unterschiedlichen Ausrichtungen der Mitgliederorganisationen deutlicher hervor. Zudem blockierte der Kalte Krieg die Frage des UNO-Beitritts, so dass der gemeinsame internationalistische Nenner des SFR an Bedeutung verlor. In der Folge reduzierten die politisch gemässigteren Organisationen die Mitarbeit oder gaben den Austritt (SGVN 1950). Gleichzeitig verlagerten sich die Aktivitäten von der Romandie (Büro in Genf) in die Deutschschweiz (Büro an der Gartenhofstrasse). Anfang der 1950er Jahre wurden zwei weitere Aspekte der Friedensarbeit massgeblich: der Kampf gegen die atomare Aufrüstung sowie die Forderung nach Entwicklungshilfe (jedes Land sollte 10% der Militärausgaben für Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen).

Im Laufe der Zeit hatte sich die Zusammensetzung der Mitgliederorganisationen geändert und das Tätigkeitsfeld erweitert (1995: 13 Gruppierungen + Einzelmitglieder). Heutige Schwerpunkte in der Friedensarbeit des SFR mit dem Ziel, Krieg zu verhindern, sind Abrüstung und kollektive Sicherheit, internationale und supranationale Zusammenarbeit, Ökologie und Sicherheit, Menschenrechte sowie Geschlechterverhältnis. Der SFR ist sowohl ein Forum für Friedensorganisationen in der Schweiz als auch eine eigenständige Friedensorganisation mit besonderen Schwerpunkten, z.B. die Herausgabe der „friedenszeitung“ oder die Führung einer Dokumentation zur Friedenspolitik.

Mitgliederorganisationen 1946: Assemblée générale des Amis (Quakers) suisses, Centre d’Action pour la Fédération Européenne, Comité de la Semaine de la Paix (Genève), Mouvement Populaire Suisse en faveur d’une Fédération des Peuples, Union mondiale de la Femme pour la Concorde internationale, Grünes Kreuz, Escherbund, Association suisse pour le Service Civil, EuropaUnion, Rassemblement Universel pour la Paix (Schweizer Zweig), Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Schweizerische Zentralstelle für Friedensarbeit, Internationaler Versöhnungsbund (Schweizer Zweig), Schweizerische Gesellschaft für Esperanto, Schweizerische Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Mouvement Soufi, Ligue internationale pour l‘Education nouvelle (Section suisse), Unité des Peuples, Kirchlicher Friedensbund (letztere drei waren nicht an der Gründerversammlung vertreten).

Mitgliederorganisationen 1995: Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot (ARW), buch 2000 (vormals Pazifistische Bücherstube), Le Centre Martin Luther King (CMLK), Christlicher Friedensdienst (cfd), Frauenstelle für Friedensarbeit (Abteilung des cfd), Ecole instrument de paix, Frauen für den Frieden, Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), Internationaler Versöhnungsbund, Deutschschweizer Zweig (International Fellowship of Reconciliation, IFOR), Schweizerische JungsozialistInnen, Religiös-sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz, Service Civil International (SCI) und Schweizer WeltbürgerInnen (Organisation der World Citizens) sowie Einzelmitglieder.

Übernahmemodalitäten

Das Archiv des Schweizerischen Friedensrates SFR wurde dem Schweizerischen Sozialarchiv im September 1999 übergeben.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält die Protokolle der leitenden Organe, Akten, Jahresabrechnungen und –berichte, Korrespondenz, Versände sowie Unterlagen zu den Mitgliederorganisationen und befreundeten Organisationen, zu Öffentlichkeitsarbeit, Friedenspolitik, Militärpolitik, Militärverweigerung und –justiz, Zivildienst und Zivildienstverweigerung sowie über friedenspolitische Aktivitäten (KSZE, Rüstungsausgaben, Waffenausfuhrverbot, parlamentarische Vorstösse, Infozentrum, Waffenplätze, Ostermärsche, Asylpolitik usw.). Hinzu kommen Broschüren des SFR und von befreundeten Organisationen sowie einige audio-visuelle Dokumente (Dias, Tonbandkassetten, Magnettonband).

Ein detailliertes Verzeichnis mit Personenregister ist vorhanden.

Neuzugänge

Neuzugänge werden erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Veröffentlichungen

RENGEL, Katharina (Hg.): Hoffen heisst Handeln. Friedensarbeit in der Schweiz seit 1945.

TANNER, Jakob: 10 Jahre danach: eine friedenspolitische Bilanz der Wende. Publikation zur SFR-Tagung vom 3. Oktober 1999 mit Jakob Tanner und Gret Haller (Referate), Schweizerischer Friedensrat (Hg.), Zürich 1999

HOSTETTLER, Andreas (Red.): Männermacht macht Männer. Referate der Jahrestagung des SFR vom 23. Mai 1998, Schweizerischer Friedensrat (Hg.), Zürich 1998


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Die Bearbeitung erfolgte im Herbst 2000 durch Maria Crespo.