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Vereinigung schweizerischer Angestelltenverbände VSA, Fédération des Sociétés suisses d'Employés


Identifikation

Signatur:

Ar VSA

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1924-2000

Umfang:

8.0 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Gegründet 1918 als nationaler Dachverband der wichtigsten Berufs- und Branchenverbände (Schweizerischer Kaufmännischer Verein, Schweizerischer Werkmeisterverband, Union Helvetia, Schweizerischer Technikerverband) zur Organisierung von Angestellteninteressen. Die Gründung fällt in eine Zeit, in der sich die wirtschaftliche Lage der gesamten Arbeitnehmerschaft wegen der kriegsbedingten Teuerung stark verschlechtert hatte. In dieser Situation kam es zu einer Radikalisierung breiter Angestelltenkreise, die sich etwa im Streik des Zürcher Bankpersonals von Ende September 1918 äusserte. Innerhalb der VSA hatte der SKV eine dominierende Stellung, da er mehr als die Hälfte der VSA-Mitglieder stellte. Die ersten Jahrzehnte der VSA-Geschichte waren von internen Spannungen geprägt. Die kleineren Angestelltenorganisationen forderten einen Zusammenschluss auf "gewerkschaftlicher" Basis, während die grösseren Verbände weiterhin eine selbständige Standespolitik betreiben wollten und in der VSA lediglich ein Koordinationsgremium sahen. 1922 trat der Schweizerische Technikerverband aus der VSA aus, 1935 verliess der Verband Schweizerischer Angestelltenverbände der Maschinenindustrie (VSAM) die Dachorganisation infolge der Zusammenarbeit von VSA und SGB bei der Kriseninitiative und trat der VSA erst 1959 wieder bei. 1942 trat auch der Schweizerische Bankpersonalverband aus der VSA aus. Dem VSA angeschlossen waren daneben die folgenden Organisationen: Schweizerische Kader-Organisation (ab 1918), Schweizerischer Baukaderverband (1920-1990), Schweizerische Vereinigung von Handelsreisenden (1925-1980), Schweizerischer Musikerverband (ab 1929), Verband schweizerischer Vermessungstechniker (ab 1930), Droga Helvetica (ab 1944), Schweizerischer Verband von Betriebsfachleuten (1959-1969), Angestelltenverband des Schweizer Buchhandels (1965-1984), Schweizerischer Verband der Versicherungs-Inspektoren und -Agenten (ab 1965), Schweizerischer Laborpersonalverband (ab 1965). 1940 zählten die in der VSA zusammengeschlossenen Organisationen mehr als 60'000 Mitglieder; der höchste Mitgliederbestand wurde 1985 erreicht (148'734 Mitglieder). Bis in die 1960er Jahre hinein verstand sich die VSA ausschliesslich als Dachorganisation von Verbänden der Privatangestellten. Danach öffnete sie sich für alle Angestelltenkategorien. Mit Ausnahme der Union Helvetia waren die Mitgliedsverbände der VSA keine Branchenorganisationen, sondern nach dem Berufsprinzip organisiert.

Entlang der politischen Gliederung der Schweiz bildeten sich innerhalb der VSA, wie beim SGB und beim CNG, territoriale Untereinheiten in Form von kantonalen oder lokalen Angestelltenvereinigungen aus. Die VSA verfügte über je ein Legislativ- und Exekutivorgan (Angestelltenkammer/Delegiertenversammlung, Geschäftsleitung). Weitere statutarisch verankerte Organe, beispielsweise die Präsidentenkonferenz, hatten nur konsultativen Charakter. Die VSA hatte ihren Sitz in Zürich. Die Funktion eines Generalsekretärs wurde anfänglich von einem Geschäftsleitungsmitglied ehrenamtlich ausgeübt; 1919 wurde ihm ein zweiter nebenamtlicher Sekretär beigestellt. 1921 wurde eine vollamtliche Sekretariatsstelle geschaffen. Eine zweite Sekretariatsstelle besteht erst seit den 1980er Jahren. Die beiden Funktionärsstellen wurden danach von einer juristischen Mitarbeiterin und einem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter besetzt.

Auf der Grundlage des Abgrenzungsabkommens von 1928 entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen VSA und SGB; diese Beziehungen wurden 1944 durch eine neue Vereinbarung über die regelmässige Besprechung wirtschafts- und sozialpolitischer Fragen reaktiviert. Eine noch stärkere Institutionalisierung erfuhr die Zusammenarbeit in der 1955 gegründeten "Aktionsgemeinschaft der Arbeitnehmer" (1956 ausgeweitet zur "Aktionsgemeinschaft der Arbeitnehmer und Konsumenten" (AGAK). Auf Initiative der VSA war 1932 die "Nationale Aktionsgemeinschaft für wirtschaftliche Verteidigung" (NAG) als kartellartige Zusammenfassung von Arbeitnehmerorganisationen ausserhalb des SGB gegründet worden. Ihr gehörten neben der VSA auch der CNG, der SVEA, der Zentralverband des Staats- und Gemeindepersonals der Schweiz, der Schweizerische Lehrerverein und die Schweizerische Vereinigung der Versicherungspersonalverbände an. 1935 engagierte sich die NAG gemeinsam mit dem SGB, dem Föderativverband des Personals öffentlicher Betriebe und Verwaltungen und der dissidenten Bauernheimatbewegung in der Abstimmungskampagne für die Kriseninitiative. Dies veranlasste den CNG zum Austritt aus der NAG, der eine "sozialistische Wirtschafts- und Finanzpolitik" vorgeworfen wurde.

Am 14. Dezember 2002 schloss sich die Vereinigung schweizerischer Angestelltenverbände (VSA) mit dem Christlichnationalen Gewerkschaftsbund der Schweiz (CNG) zur neuen Dachorganisation Travail.Suisse mit rund 170'000 Mitgliedern zusammen Der Hauptsitz von Travail.Suisse befindet sich in Bern.

Übernahmemodalitäten

Der Bestand gelangte am 08.06.2010 aus dem Sekretariat von Travail.Suisse, Hopfenweg 21, Bern, ins Schweizerische Sozialarchiv. Die Übergabe wurde von Therese Schmid betreut.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Verbandsarchiv mit Protokollen der Gremien (Angestelltenkammer/Delegiertenversammlung, Geschäftsleitung, Präsidentenkonferenz, Strukturkommission, etc.), Korrespondenz, Pressemitteilungen, Vernehmlassungen/Eingaben, Unterlagen zu Kampagnen und Projekten, Akten zur Verbandsgeschichte sowie zu den Beziehungen mit anderen Spitzenverbänden und Gewerkschaften (SGB, CNG, SBPV, SKV). Für den Zeitraum 1918-1930 sind nur sehr wenige Akten und kaum Protokolle erhalten. Speziell hervorzuheben sind die Unterlagen zur Nationalen Aktionsgemeinschaft für wirtschaftliche Verteidigung (NAG) aus den Jahren 1932-1967.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden:

- Doubletten und Mehrfachexemplare

- administrative Unterlagen: Belege, Anmeldungen, Routinekorrespondenz etc.

- externe Dokumentationen ohne direkten Aktenbezug, Materialsammlungen (z.B. Kurse oder Kampagnen Dritter; allgemeine, Pressespiegel)

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs grundsätzlich ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar. Eine Ausnahme bilden die Gremienprotokolle, die einer zehnjährigen Schutzfrist unterliegen. Gesuche auf Einsichtnahme sind möglich.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher, französischer und italienischer Sprache.

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Periodika / Schriftenreihen:
Veröffentlichungen

- E. Schmid: Jubiläumsschrift der Vereinigung Schweizerischer Angestelltenverbände 1918-1968, [s.l.] , [s.n.], 1968; Signatur: Hf 2371

- A. Hubschmid: 75 Jahre Angestelltenpolitik. Vereinigung Schweizerischer Angestelltenverbände VSA, 1918-1993, Zürich 1993; Signatur: K 432

- Mario König: Die Angestellten zwischen Bürgertum und Arbeiterbewegung : soziale Lage und Organisation der kaufmännischen Angestellten in der Schweiz, 1914-1920, Zürich 1984; Signatur: 75603

- R. Fluder [et al.]: Gewerkschaften und Angestelltenverbände in der schweizerischen Privatwirtschaft. Entstehung, Mitgliedschaft, Organisation und Politik seit 1940, Zürich 1991, Signatur: 92905


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Im Auftrag des Schweizerischen Sozialarchivs bearbeitet durch die Firma Fokus AG, Zürich, im Frühsommer 2011 (Projektleitung: Urs Kälin, Schweiz. Sozialarchiv; Daniel Kauz, Fokus AG, Zürich).