Die Gründungsversammlung des Organisationskomitees für das Folkfestival Bern-Gurten fand am 29.09.1976 statt. Mitglieder des ersten OK waren: Ueli „Chita“ Fricker, Daniel Leutenegger, Hansruedi Egli, Ueli Bommeli, Sily Egli, Fredy Hallauer, Claudia Cantieni und Jürg Witmer.
Am 10. Juli 2019 übergaben die Initianten Ueli Fricker und Daniel Leutenegger ihre Archive zu den ersten fünf Gurtenfestivals (1977 bis 1983) als Dauerleihgaben dem Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich.
Rund ein Jahr nach Enstehen der Idee fand das 1. Internationale Folkfestival Bern-Gurten am 2. und 3. Juli 1977 statt. Der grosse Erfolg in allen Bereichen - vom Publikumszuspruch über den gelungenen Test des Geländes bis zu den Finanzen - ermutigte die Gründungsmitglieder, den in seiner Art einmaligen Anlass weiterhin durchzuführen und programmlich noch auszubauen.
In den Anfangsjahren wurde das Gurtenfestival in Koordination mit dem Folkfestival auf der Lenzburg veranstaltet.
Die ersten fünf Gurtenfestivals wurden von einem ehrenamtlich tätigen Organisationskomitee aus dem Umfeld des Konzertlokals Mahogany Hall und des Folk Clubs Bern sowie Hunderten von freiwilligen Helferinnen und Helfern durchgeführt und lockten jeweils bis zu 30'000 Menschen auf den Berner Hausberg. Das Gurtenfestival war vollständig werbefrei und wurde ohne jegliches Sponsoring veranstaltet. In seiner Ursprungskonzeption war das Gurtenfestival eng verbunden mit sämtlichen musikalischen Stilrichtungen, mit fast allen künstlerischen Ausdrucksformen und ganz besonders mit politischen, ökologischen, philosophischen Bewegungen und basisdemokratischen Initiativen. Neben den Konzerten auf mehreren Bühnen verschiedener Grössen gab es Workshops z.B. zu Instrumentenbau oder Sagen, Alusammeln oder Sonnenenergie; es gab Autorenlesungen, Gruppentänze, spektakuläre Happenings, begehbare künstlerische Installationen, spontanes Theater, circensische Darbietungen mit Publikumsbeteiligung, zahlreiche Attraktionen für Kinder und jede Menge von Jam Sessions irgendwo auf dem Gelände. Wer sich ausserhalb des offiziellen Programms noch als MusikerIn anmeldete, hatte beste Aussichten auf ein Freibillett und einen Eintrag im Programmbüchlein als sogenannter "Rasenmusiker". Der Märit des Gurtenfestivals bot Informationen, Esswaren, Getränke, Kleider, Schmuck usw. der neuen Art.
Mit der gezielten Förderung von künstlerischen Entdeckungen, grenzüberschreitenden kreativen Verbindungen und ganz praktischen ökologischen Umsetzungen (z.B.: BesucherInnen nahmen selber Geschirr und Besteck ans Festival mit) verstand sich das Gurtenfestival als Informations-, Austausch- und Versuchs-Plattform und als "Gesamtkunstwerk". Die Ausstrahlung des Gurtenfestivals war von Anfang an national, in manchen Bereichen international.
Quelle:
https://buero-dlb.ch/de/archiv/feste-festivals-messen-boersen/archiv-der-ersten-berner-gurtenfestivals-19771983-geht-an-das-schweizerische-sozialarchiv-in-zuerich: „Das Folkfestival war eine Wiege jener links-grünen Bewegung, die sich in den 1980er-Jahren formierte und 1992 in der Stadt Bern nach langer bürgerlicher Dominanz die Wende ermöglichte.“