Arche Zürich


Identifikation

Signatur:

Ar 730

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1976-2021

Umfang:

7.1 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Die Arche Zürich hat ihren Ursprung in der frühen Drogenhilfe der 1970er-Jahre. 1970 eröffnete Patrick Inglin in Rüti (ZH) eine Wohngemeinschaft für drogenabhängige Jugendliche. Weitere Einrichtungen folgten in Schlieren (ZH), Cadro (TI) und Wiezikon (TG). Ergänzend wurden Arbeitsplätze in einer Druckerei und einer Spedition geschaffen, um Betroffene zu beschäftigen und die Projekte mitzufinanzieren. 1974 gründete Inglin den Verein «Pro Gemeinschaft Patrick», 1975 kam die Brockenhalle in Zürich-Altstetten hinzu. 1977 wurde das Altersheim Heimgarten in Bülach übernommen und in eine stationäre Drogentherapie umgewandelt. Bis auf die Brockenhalle und die Station Heimgarten mussten später alle Projekte aus finanziellen Gründen eingestellt werden.
1980 wurde der Verein in «Gemeinschaft Arche» umbenannt. Nach einer internen Krise übernahm Kurt Meier das Präsidium, ein neuer Vorstand wurde eingesetzt und die Organisation professionell neu aufgebaut. Die Arche entwickelte sich in der Folge zu einer sozialtherapeutischen Institution mit Schwerpunkt auf stationärer Suchttherapie, betreutem Wohnen und arbeitsagogischen Angeboten. Seit 2003 werden auch substituierte Suchtkranke stationär aufgenommen.
In den folgenden Jahren entstanden verschiedene soziale Betriebe, darunter eine Schreinerei, eine Lackiererei, ein Bistro, eine Druckerei, Brockenstuben und ein Biohof. Diese bieten niederschwellige Arbeitsplätze für betreute Personen. Gleichzeitig wurde der Kinder- und Jugendbereich ausgebaut. Auch Angebote für Familien und Eltern mit Unterstützungsbedarf wurden schrittweise entwickelt.
Ein wichtiger Schritt war die Fusion mit den Zürcher Aidsprojekten (ZAP) im Jahr 2008. Der Verein, welcher 1987 gegründet worden war mit dem Ziel, dem zunehmenden Elend von HIV-Positiven Drogenkonsument*innen entgegenzuwirken, bot bereits betreutes Wohnen an den Standorten Waid und Blümlisalp. Gemeinsam mit den bestehenden Wohnplätzen der Arche entstand daraus das heutige Angebot «Arche Wohnen». Die Betreuung blieb unverändert, wurde jedoch institutionell und finanziell gesichert.
Im Jahr 2018 ging schliesslich die Stiftung Mütterhilfe in der Arche Kind und Familie auf. Die Mütterhilfe war 1932 als Verein gegründet worden und war seitdem als Beratungsstelle für werdende Mütter tätig. Zu ihren Kernaufgaben gehören die finanzielle Unterstützung, die Hilfe bei der Stellensuche sowie die Vermittlung von Wohnmöglichkeiten. Seit der Fusion wird ein Angebot für werdende Mütter sowie für Eltern von Babys und Kleinkindern und mehrfach belastete Familien als «Arche Familie» fortgeführt.
Die kontinuierliche Ausweitung und Differenzierung des Angebots erfolgte in enger Zusammenarbeit mit städtischen und kantonalen Stellen und steht im Kontext der allgemeinen Professionalisierung sozialer Einrichtungen seit den 1980er-Jahren. Seit 2021 steht die stationäre Betreuung der Arche Zürich auch Personen mit psychischen Erkrankungen ohne Suchthintergrund offen. Insgesamt werden jährlich über 1'000 Menschen aus der Region in den Bereichen Sucht, psychische Gesundheit, Arbeitsintegration, betreutes Wohnen sowie Kinder- und Familienhilfe begleitet (Stand 2025).
Die Entwicklung der Arche Zürich veranschaulicht exemplarisch den strukturellen Wandel von einer privat getragenen Hilfsinitiative hin zu einer etablierten, institutionell vernetzten und fachlich breit aufgestellten sozialen Organisation.
Übernahmemodalitäten
Übernommen am 27.02.2025.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Der Archivbestand dokumentiert die institutionelle und inhaltliche Entwicklung der Arche Zürich. Die Bestandsstruktur folgt der historischen Entwicklung der Organisation und gliedert sich in 4 Hauptteile: 1. Gemeinschaft Patrick (1970–1980), 2. Gemeinschaft Arche (ab 1980), 3. Zürcher Aidsprojekte (ZAP) bzw. deren Integration (ab 2008) sowie 4. die Intergration der Mütterhilfe (2018).
Die erste Phase dokumentiert die Aktivitäten der von Patrick Inglin gegründeten Gemeinschaft Patrick. Die Unterlagen reichen bis zur institutionellen Neustrukturierung im Jahr 1980. Enthalten sind umfangreiche Korrespondenzen, Buchhaltungsunterlagen, Gründungsakten des Vereins «Pro Gemeinschaft Patrick», Verwaltungsdokumente zu verschiedenen Wohnstandorten sowie die Einrichtung der Brockenhalle Patrick und der Therapiegemeinschaft Heimgarten. Die Akten zeigen die prekäre Finanzlage, den raschen Aufbau der Projekte sowie deren späteren Rückzug. Die Überlieferung dieser Phase besteht insbesondere aus Korrespondenz, Verwaltungs- und Buchhaltungsakten sowie ersten konzeptionellen Entwürfen.
Die zweite Phase beginnt mit der Umbenennung in «Gemeinschaft Arche» und der Neuausrichtung unter der Leitung von Kurt Meier. Ab 1980 entstand eine differenzierte Struktur mit Gremien, Konzeptentwicklung und Professionalisierung. Der Bestand enthält zahlreiche Unterlagen zu Vereinsstruktur, Aufbauarbeit, Generalversammlungen, Vorstandssitzungen, Protokollen der Geschäftsführung und Geschäftsstelle sowie zur Finanzplanung. Gut dokumentiert sind auch Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätsentwicklung sowie Kooperationen mit Stadt und Kanton Zürich. Ein erheblicher Teil des Bestands entfällt auf den Bereich Finanzen, darunter Budgetpläne, Jahresrechnungen, Subventionsgesuche an Bund (BSV) und Kanton, Leistungsverträge sowie Korrespondenz zur Finanzierung der Suchttherapie. Diese Unterlagen sind sowohl in eigenständigen Serien als auch projektbezogen abgelegt.
Die dritte Bestandseinheit umfasst die Zürcher Aidsprojekte (ZAP), ein Verein, der auf Wohnangebote und niederschwellige Betreuung für HIV-positive Menschen spezialisiert war. Der Bestand enthält Gründungsunterlagen, Protokolle, Monatsberichte, Akten rund um die Öffentlichkeitsarbeit, Projektbeschreibungen, Akten zum Qualitätsmanagement und Personalunterlagen. Die Fusion mit der Arche Zürich führte zur Entstehung von «Arche Wohnen», wobei das Angebot der ZAP in die Wohnstruktur der Arche integriert wurde. Diese Übergangsphase ist durch Planungsdokumente, strategische Unterlagen und Vereinheitlichungsprozesse nachvollziehbar dokumentiert.
Die vierte Bestandeseinheit beinhaltet die Akten der Mütterhilfe. Sie umfasst Akten der üblichen Vereinsgremien, Gründungsunterlagen, Akten rund um die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising sowie eine Sammlung von Berichten und Referatstexten.
Die Akten erlauben vertiefte Einblicke in soziale Praxisfelder wie Suchttherapie, betreutes Wohnen, Kinder- und Familienhilfe, Arbeitsintegration und institutionelle Netzwerke im Kontext städtischer und kantonaler Sozialpolitik. Die Überlieferung ist überwiegend chronologisch und thematisch gegliedert und umfasst neben Textdokumenten auch Werbematerialien, Broschüren und Ausstellungsmaterial.
Bewertung und Kassation
Es wurden Dubletten sowie einzelne Buchhaltungsbelege kassiert.
Neuzugänge
Es werden Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Einige Akten unterliegen besonderen Schutzfristen und können nur nach Einholen einer Einsichtsbewilligung eingesehen werden.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache.

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet von C.Nufer von April bis Juli 2025.