Für die Konsultation der Unterlagen im Lesesaal vereinbaren Sie bitte telefonisch (043 268 87 50) einen Termin, da die Platzzahl im Lesesaal aufgrund der Corona-Situation beschränkt ist. Der Zugang zum Lesesaal ist nur mit bestätigter Platzreservation möglich.

Meier, Claude Martin (*1943)


Identifikation

Signatur:

Ar 1012

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

ca. 1939-2015

Umfang:

0.9 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Claude Martin Meier wurde am 29.08.1943 in Zürich geboren. Er wuchs zusammen mit einer Schwester und einem Bruder in Schlieren auf. Nach der Primarschule besuchte er die Kantonsschule Zürichberg, verliess diese aber ohne Matura. Dann folgten 3 Jahre Bühnenstudio Zürich mit Diplomabschluss. Claude Martin Meier war Regieassistent bei Paul Burkhard, Produktionsleiter, Drehbuchautor für die Urania-Film Berlin, freischaffender Autor (Pseud.: Claus Martin, Werk: NOAH). Spätere Tätigkeit: Betriebsleiter in der Steinfabrik Hardwald AG (bis 1972), Prokurist der SIBIR AG in Schlieren (bis 1995).

Claude Martin Meier war Anfang der 1970-er Jahre auch politisch aktiv (Heimkampagne, Autonome Republik Bunker, Proletarische Kampf-Organisation PKO). Seit März 1971 stand er unter Beobachtung der Staatsschutzorgane. In den Kopien der Staatsschutzakten ist im April 1972 davon die Rede, dass sich Meier «sehr intensiv mit dem Gedanken der Gründung einer Stadtguerilla» befasse und auch «selbständige Aktionen» durchführe. Am 29.05.1972 wurde Meier im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Gruppe Bändlistrasse verhaftet und für 93 Tage in Untersuchungshaft genommen. Das Verfahren betr. Vergehen gegen den Staat (Angriffe auf die verfassungsmässige Ordnung) wurde von der Bezirksanwaltschaft Zürich im Februar 1973 eingestellt. Hingegen wurde das Verfahren betr. unerlaubter Waffenausfuhr fortgeführt. Im Mai 1974 wurde Meier vom Bezirksgericht Zürich der Zuwiderhandlung gegen Art. 18 Abs. 1 lit.a des BRB über das Kriegsmaterial, des Diebstahls und der Urkundenfälschung für schuldig befunden und mit 16 Monaten Gefängnis (bedingt, mit drei-jähriger Probezeit) bestraft. Claude Martin Meier zählte zu den Schlüsselfiguren innerhalb der linksextrem-revolutionären Gruppen, die sich an der Bändlistrasse zusammenfanden. Er unterhielt Beziehungen zur RAF in Deutschland (Baader, Ensslin) sowie zu einer Anarchistengruppe in Berlin und versorgte sie gegen Bezahlung mit Waffen, Munition und Sprengmitteln.

Übernahmemodalitäten

Die Übernahme der Akten erfolgte am 07.05.2018 und wurde betreut von Rosa Maria Eberli.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Vorhanden sind Unterlagen zur Person und zu dessen beruflichen und politischen Aktivitäten sowie diverse Drucksachen. Spezielle Hervorhebung verdienen die Dokumente betr. Verfahren gegen die Gruppe Bändlistrasse von 1972 (Akten Staatsanwaltschaft, Bezirksgericht, Einvernahmeprotokolle, Aufzeichnungen von Claude Martin Meier, Zeitungsausschnitte) sowie die Unterlagen zu Paul Burkhard (1911-1977), mit dem Claude Martin Meier eng befreundet war.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden Doubletten und Mehrfachexemplare (Notwendigkeit des Kommunismus : die Plattform von Il Manifesto, settembre 1970 (Signatur: SOZARCH 42489); Verteidigung der Demonstranten : die Wahrheit über den Globuskrawall (Signatur: SOZARCH Hf 3367); Die Fremdarbeiterfrage - für eine sozialistische Alternative, 1970 (Signatur: SOZARCH Hf 1461); Über das Herstellen von Untertanen, 1970 (Signatur: SOZARCH Hf 3872);

Audiovisuelle Dokumente wurden der Abteilung Bild+Ton des Schweizerischen Sozialarchivs übergeben (1 VHS-Kassette, 3 Film-Bänder, Fotodokumente).

Neuzugänge

Nachlieferungen werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Für den Bestand gelten Benutzungsbeschränkungen bzw. eine Sperrfrist bis 2028. Das Schweizerische Sozialarchiv ist berechtigt, den Vorlass von Claude Martin Meier/Claude Martin ab dem 01.01.2028 der Öffentlichkeit zur Nutzung zugänglich zu machen.

Sprache/Schrift
Akten in deutscher Sprache.

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Dominique Grisard: Gendering Terror. Eine Geschlechtergeschichte des Linksterrorismus in der Schweiz, Frankfurt 2011; Signatur: 124255


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde im August 2018 von H. Villiger bearbeitet.