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Rutgers-Fausch Elsa (1912-2004)


Identifikation

Signatur:

Ar 1016

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

ca. 1939-1990

Umfang:

0.2 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Elsa Rutgers, geb. Fausch, wuchs in Zürich auf und besuchte hier die Mittelschule. Bereits mit 16 Jahren trat sie dem Kommunistischen Jugendverband KJV bei. Nach der Matur studierte sie während zwei Semestern Medizin an der Universität Zürich und verkehrte in der Marxistischen Studentengruppe MSG, wo sie ihren späteren Ehemann, Wim Rutgers, kennen lernte. Mit Rutgers, der an der ETHZ Zürich studiert hatte, liess sie sich 1932 in Moskau nieder. Elsa Rutgers-Fausch trat in die KPdSU ein; sie war als Deutschlehrerin beruflich erfolgreich. 1936 wurde der Sohn Petja geboren. Im Kontest des 2. Moskauer Schauprozesses verlor Wim Rutgers 1936 seine Stelle als Eisenbahnbrückeningenieur und war vorübergehend arbeitslos. Die Situation war menschlich und politisch sehr belastend; 1938 liess sich das Paar im gegenseitigen Einvernehmen scheiden.

Am Tag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion wurde Elsa Rutgers-Fausch vom NKWD verhaftet. 1942 wurde sie von einem ausserordentlichen Richterkollegium als sozial-gefährliches Element zu fünf Jahren Lagerhaft veurteilt und nach Kasachstan deportiert. Nach Verbüssung der Haft liess sie sich mit dem wieder gefundenen Sohn in der Kleinstadt Alexandrow nieder und bemühte sich um eine Ausreisebewilligung. Der Vater, Jakob Fausch, unterstützte seine Tochter und deren Sohn mit Lebensmittel- und Kleiderpaketen. Er trat 1953 sowohl aus der PdA wie aus der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion aus. Elsa Rutgers-Fausch musste bis 1957 auf die Entlassung aus der sowjetischen Staatsbürgerschaft warten und kehrte erst am 29. Dezember 1957 in die Schweiz zurück. Ihren Sohn musste sie als Pfand in Moskau zurücklassen.

Übernahmemodalitäten

Die Übergabe der Akten erfolgte am 29.05.2018.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Briefsammlung; umfangreicher Briefwechsel zwischen Elsa Rutgers-Fausch und Jakob Fausch (1884-1982), vorwiegend aus den Jahren 1946-1957. Ferner sind tagebuchartige Notizen von Elsa Rutgers-Fausch sowie weitere Briefe vorhanden.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Nachlieferungen werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Akten in deutscher und russischer Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Peter Huber: Stalins Schatten in die Schweiz. Schweizer Kommunisten in Moskau: Verteidiger und Gefangene der Komintern, Zürich 1994; Signatur: 96335


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde im Mai 2018 von U. Kälin bearbeitet.