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Tobler-Christinger, Max und Minna


Identifikation

Signatur:

Ar 136

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1883-1936

Umfang:

0.8 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Max Tobler, 3.6.1876-14.4.1929, in gutbürgerlicher St. Galler Familie aufgewachsen, Zoologiestudium in Genf, Dissertation über eine neuseeländische Schnecke, wissenschaftlicher Aufenthalt in Neapel, Assistent an der Universität Giessen. 1903 Niederlassung in Zürich, Eintritt in die SP. Wohnte 10 Jahre lang in derselben Wohnung wie der 2 Jahre ältere Fritz Brupbacher. Politisch lagen die beiden immer etwa auf derselben revolutionär-syndikalistischen Linie. 1905 Mitbegründer der Antimilitaristischen Liga, 1906 Mitarbeiter bei der „Polis“, Monatszeitschrift für sozialistische Intellektuelle. Als Referent in der Arbeiterbildung aktiv, insbesondere im Bildungsverein „Eintracht“, wo er seine Frau, Minna Tobler-Christinger kennenlernte. Nach der Volksrecht-Zeit studierte Tobler Medizin. Arzt von 1914-1929. Wachsende Enttäuschung über die Sozialdemokratie, Mitglied der „Schwänli-Gruppe“, Mitarbeit am „Revoluzzer“, nach der Spaltung 1921 auf der Seite der Kommunisten, aber nicht Parteimitglied. Präsident der „Roten Hilfe“, Mitarbeit beim „Kämpfer“, viele Kontakte zu europäischer Prominenz (Erich Mühsam, James Guillaume, Hermann Hesse, Marianne von Werefkin, Clara Zetkin u.a.). fieberhafte politische Aktivität, starb an Krebs.

Minna Tobler-Christinger, 1886-1936, aufgewachsen in einer bürgerlichen Familie aus Diessenhofen TG. Eine der ersten Ärztinnen der Schweiz. Näherte sich der sozialistischen Bewegung durch ihr Engagement für Frauenanliegen. Redaktorin des „Revoluzzer“ (mit Hans Heinrich Itschner, Fritz Brupbacher und Max Tobler); Mitarbeit an der Zeitschrift „Vorkämpferin“, später an der Zeitschrift „Arbeitende Frau“. Seit 1921 Mitglied der KPS. Nahm beim Ausschluss Trotzkis aus der KPdSU wie Max Tobler und Fritz Brupbacher eine kritische Haltung ein, verblieb jedoch in der Partei. Engagierte sich ab 1933 für deutsche Flüchtlinge, die sie in ihrem Haus am Zürichberg aufnahm (gemeinsam mit Elisa Brennwald-Klaesi). Freundschaft mit Willi Münzenberg.

Übernahmemodalitäten

Der Bestand wurde dem Schweizerischen Sozialarchiv von Herrn Dr. med. Rudolf Tobler, Sohn von Max und Minna Tobler-Christinger, im Herbst 1997 übergeben. Die im Sozialarchiv bereits vorhandene Autobiographie, Jugend bis zum Englandaufenthalt im Jahre 1900, wurde in diesen Bestand integriert. Die Bearbeitung erfolgte in den Monaten Oktober und November 1997 (K. Pfenninger, U. Kälin). Einige Dubletten wurden kassiert; wenige Dokumente wurden in andere Bestände des Sozialarchivs integriert.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand umfasst: Autobiographische Manuskripte, Photos, Biographisches, Schriften von Max und Minna Tobler, Briefe, diverse Materialien


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen vorwiegend in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Lina Gafner: "Mit Pistole und Pessar" : Sexualreform und revolutionäre Gesellschaftskritik im Zürich der 1920er- und 1930er-Jahre, Nordhausen 2010; Signatur: 124126

L'antimilitarismo libertario in Svizzera: dalla Prima Internazionale a oggi / a cura di Gianpiero Bottinelli e Edy Zarro, Lugano 1989; Signatur: 89237