Die gegenwärtige Corona-Epidemie zwingt auch das Schweizerische Sozialarchiv zu einer starken Einschränkung seiner Dienstleistungen:

Archivbestellungen sind im Moment nicht möglich.

Wir danken für Ihr Verständnis und hoffen, Ihnen bald wieder mit allen unseren Dienstleistungen zur Verfügung stehen zu können.

Arbeitsgruppe Nestlé (AGN)


Identifikation

Signatur:

Ar 201.103

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1986-1999

Umfang:

0.4 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Die ‘Arbeitsgruppe Nestlé‘ (AGN) ist als Verein mit Sitz in Zürich (Bäckerstrasse 25, 8004 Zürich) im Jahr 1990 ins Leben gerufen worden (Statuten: 1. November 1990). Sie ist die Initiantin des sog. zweiten Nestlé-Boykotts in der Schweiz, der am 22. Februar 1991 an einer Pressekonferenz in Bern lanciert wurde.

1977 hatte die ‘Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern‘ den ersten Nestlé-Boykott in der Schweiz ausgerufen als Reaktion auf Nestlés Vermarktungspraktiken von Babymilchersatz und dessen Folgen in der Dritten Welt (Säuglingssterblichkeit infolge verseuchten Wassers und Unterernährung, Rückgang des Stillens). Nestlé versprach in der Folge, den 1981 verabschiedeten Verhaltens-Kodex der WHO/UNICEF über die Vermarktung von Muttermilchersatznährmitteln einzuhalten, worauf im September 1984 der erste Boykott gegen Nestlé eingestellt wurde.

Erneute Kodex-Verletzungen des weltgrössten Verkäufers von Babymilchersatzprodukten hatten zur Folge, dass 1988 in den USA der Boykott wieder aufgenommen wurde und sich rasch auf andere Länder ausweitete. 1991 erreichte die Boykottbewegung auch in der Schweiz ihren Höhepunkt: Am 21. Februar 1991 strahlt SF DRS die TV-Dokumentation „Das Elend der Flaschenbabies“ über die Verkaufspraxis für Babymilch in Entwicklungsländern trotz vorgängigen Interventionen von Nestlé aus, Nestlé reicht daraufhin eine Konzessionsbeschwerde gegen SF DRS ein. Am 22. Februar wird in Bern der zweite Nestlé-Boykott ausgerufen.

Die AGN arbeitet eng vernetzt mit der ‘Gruppe Schweiz-Philippinen‘ (GSP), welche den Protest gegen die Verletzung von Gewerkschaftsrechten auf den Philippinen organisiert, und dem ‘International Baby Food Action Network‘ (IBFAN) mit Sitz in Genf (1981 gegründet) zusammen. Entsprechend sind auch die personellen Ueberschneidungen:

Philippe Ammann: Arbeitsgruppe Nestlé auf den Philippinen; Aktionsgruppe Nestlé (AGN)

Thomas Weishaupt: Gruppe Schweiz-Philippinen (GSP); Aktionsgruppe Nestlé (AGN).

Ein Viertel des Bestandes betrifft den Kampf um Gewerkschaftsrechte auf den Philippinen: Im Februar 1986 wird in allen drei Nestlé-Fabriken auf den Philippinen gestreikt, Präsidentin Aquino beendet den Streik zugunsten der ArbeitnehmerInnen. Im September 1987 erfolgt ein erneuter Streik der gesamten Belegschaft, ‘Nestlé-Philippinen‘ entlässt siebzig Vertrauensleute der Gewerkschaft UFE (Union of Filipro Employees). Im Oktober ordnet Aquino die militärische und polizeiliche Zerschlagung der Streiks an. Nestlé weigert sich in der Folge, mit der UFE zu verhandeln.

Organisationen / Abkürzungen:

AGN = Aktionsgruppe Nestlé (Zürich)

GSP = Gruppe Schweiz-Philippinen (Zürich)

AGB = Aktionsgruppe Babynahrung (Göttingen)

IBFAN = International Baby Food Action Network (Genf)

BMAC = Baby Milk Action Coalition (Cambridge)

International Nestlé Boycott Committee

UFE = Union of Filipro Employees (Manila)

DFA = Drug, Food & Allied Workers‘ Federation (Manila)

KMU = Kilusang Mayo Uno (Manila)

BUNSO = Balikatan at Ugnayang Naglalayong Sumagip sa Sanggol (Manila), National Coalition for the Promotion of Breastfeeding and Child Care (member IBFAN)

Übernahmemodalitäten

Der Bestand stammt aus dem gemeinsamen Büro von AGN und GSP an der Bäckerstrasse 25 in Zürich und wurde dem Sozialarchiv durch Sabine Braunschweig im Jahr 1994 übergeben. Die Dokumente sind von Sabine Braunschweig geordnet und verpackt worden.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält: Statuten, Protokolle, Korrespondenz, Unterlagen zu diversen Boykottaktionen, Presseausschnitte und Dokumentationen, Fotodokumente, Unterlagen zu Fundraising und Buchhaltung, Verschiedenes.

Bewertung und Kassation

Etliche Mehrfachkopien verschiedener Unterlagen wurden kassiert.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Die Bearbeitung und Erschliessung erfolgte im Februar 2002 (U. Schelling). Bei der Bearbeitung des Bestandes wurden einige Dossiers neu zusammengestellt und deren Abfolge modifiziert.