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Russlandschweizer-Archiv RSA


Identifikation

Signatur:

Ar 535

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

ca. 1798-2010

Umfang:

7.0 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Ende der 1970er Jahre startete die Osteuropa-Abteilung des Historischen Seminars der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Carsten Goehrke das Forschungsprojekt „Auswanderung aus der Schweiz in das Zarenreich“. Neben zahlreichen Studien zu kantons- und berufsspezifischen Aspekten der Russlandwanderung haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte eine Datenbank mit Angaben zu fast 4000 Berufstätigen erstellt, systematisch Materialien gesammelt, Tonbandinterviews mit Rückwanderern geführt und eigene Forschungsarbeiten vorangetrieben. Als Ergebnis dieser Arbeiten entstand das „Russlandschweizer-Archiv“, eine umfangreiche Sammlung von Briefen, Erinnerungen, Familiengeschichten, Tonbändern, Fotodokumenten, Publikationen, Zeitungsartikeln. Mit dem Russlandschweizer-Archiv gelangte auch der Provenienzbestand der „Vereinigung der Russlandschweizer“ (inkl. Schweizerische Hilfs- und Kreditorengesellschaft Secrusse) sowie verschiedene Forschungsdokumentation (u.a. die Forschungsmaterialien von Urs Rauber zur Schweizer Industrie in Russland, Unterlagen von M. Weisbrod über Zürichtal oder die Dokumentation von Joseph Ehret zu Tessiner Steinbauspezialisten) ins Schweizerische Sozialarchiv. Ferner sind im Russlandschweizer-Archiv zwei online verfügbare Personen-Datenbanken vorhanden.

Übernahmemodalitäten

Übernommen am 17.09.2013. Die Übernahme wurde von Daniel Ursprung betreut.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Das Russlandschweizer-Archiv wurde an der Osteuropa-Abteilung des Historischen Seminars der Universität Zürich nach Dokumentart geordnet. Diese Ordnung wurde für die Erstellung des vorliegenden Findmittels beibehalten.

Vorhanden sind folgende Unterlagen:

- Unpublizierte Forschungsarbeiten (Signaturgruppe "For"), beispielsweise die Arbeit von Irène Herrmann über die Genfer Auswanderung nach Russland (For 1)

- Erinnerungen (Signaturgruppe "Chron"); als Prunkstück dieser Sammlung wird Chron 27 bezeichnet: die mehr als 1'000 Seiten starken Erinnerungen des Grafikers Ernst Derendinger, der in Moskau den Ersten Weltkrieg, die Revolution, den Kriegskommunismus, die NEP und den Stalinismus erlebt hat (Kopie des Manuskripts im Staatsarchiv Bern). Erwähnenswert sind ferner die Erinnerungen von Valy Eggenschwiler (Chron 31) mit Berichten über die Kollektivierung und die Flucht der Kinder im Zweiten Weltkrieg.

- Tonbandinterviews (Signaturgruppe "TBI"), vorbereitet von Peter Collmer und teilweise transkribiert von Anna Staubli. Aus den Interviews ragt jenes mit Eduard Vollenweider heraus, der von in hohem Alter eindrucksvoll das grossbürgerliche Leben der Famiilie eines Hofschneiders in Petersburg schildert [Ar 535 TBI 51].

- Publikationen(Signaturgruppe "Publ"), mit Büchern, Broschüren und Zeitungsartikeln zum Thema Russlandschweizer. Erwähnenswert sind u.a. die Memoiren von Rosa von Wild (Publ 23), Ehefrau des Meteorologen Heinrich von Wild, die Statuten der Société de bienfaisance à St.-Pétersbourg von 1890 (Publ 24), die Kataloge der Ausstellung "Il Ticino e San Pietroburgo" (Publ 64:1), die Broschüre "Unter der Herrschaft des Bolschewismus; Erlebnisse von Russland-Schweizern" (Publ 110). Auch unter den Zeitungsartikeln sind Trouvaillen zu finden: Erlebnisberichte, Nachrufe und kleinere, schlecht zugängliche Forschungsarbeiten. Nummern ab Publ 500 sind der Migration in andere Länder gewidmet.

- Fotodokumente(Signaturgruppe "Fot"). Separat geführt sind hier die Bilder aus der Sammlung von Adolf Ott (Fot 38-49) mit Stadtansichten, Szenen aus dem Leben der Russlandschweizer (Maskenbälle, Dača, etc.). Zur Fotosammlung gehören einzelne Fotos und ganze Sammlungen, u.a. die Schenkung von Petra Kaufmann mit Fotodokumenten von Axel Streckeisen (Fot 52). Hervorhebung verdienen auch die Fotos vom Sommerleben an der Ostsee von Professor Alexander Beck (Fot 76)

- Korrespondenz(Signaturgruppe "Kor"); Zuschriften mit Informationen über Russlandschweizer

- Briefe (Signaturgruppe "Bri"). Zu den wichtigsten Beständen gehören die Briefe der Käser Davis Moser (Bri 2) und Walter-Alfred Stettler (Bri 4) sowie die umfangreiche Korrespondenz des Privatlehrers Julien Nabel (Bri 1).

- Kopien aus fremden Archiven (Signaturgruppe "Arch"). Kernstücke sind hier diverse Listen (Übersicht der Netstaller in Russland, Liste des Suisses à St. Pétersbourg et dans les environs, Tableau des Suisses à St. Pétersbourg en 1857) sowie Kopien aus den russischen Archiven LGIA und CGIAL, die von Roman Bühler in Auftrag gegeben wurden.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Nachlieferungen werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen vorwiegend in deutscher und russischer Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Allgemeine Angaben zur Geschichte der Russlandschweizer sind den acht Bänden zu entnehmen, die von 1985 bis 2001 in der Reihe "Beiträge zur Geschichte der Russlandschweizer" (herausgegeben von Carsten Goehrke) erschienen sind. Daneben ist mit der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte, 48 (1998), Nr. 3 ein Themenheft mit mehreren Beiträgen zur Geschichte der Russlandschweizer erschienen. Weiter ist erschienen von Roman Bühler: Bündner im Russischen Reich. 18. Jahrhundert – Erster Weltkrieg. Ein Beitrag zur Wanderungsgeschichte Graubündens, Disentis/Mustér 1991 (2. Auflage 2003)

Online im Volltext zugänglich sind zudem zwei Aufsätze zu den Russlandschweizern von Rudolf Mummenthaler und Leo Schelbert in der Broschüre 25 Jahre Osteuropa-Abteilung des Historischen Seminars der Universität Zürich, 1971-1996. Hg. von Carsten Goehrke, Zürich 1996 sowie hier der Aufsatz von Rudolf Mumenthaler: Schweizer in St. Petersburg von 1703 bis 1917

Ebenfalls speziell von den Schweizern in der einstigen Hauptstadt des Zarenreiches handelt der zum 300-jährigen Jubiläum der Stadt herausgegebene Sammelband von Madeleine Isabelle Lüthi (Hg.): Schweizer in Sankt-Petersburg : zum 300-jährigen Jubliäum der Stadt Sankt-Petersburg = Suisses à Saint-Pétersbourg : au tricentenaire de la fondation de Saint-Pétersbourg = Svizzeri a San Pietroburgo : per i trecento anni di San Pietroburgo. Sankt-Petersburg 2003.

Die erwähnten Werke sind in mehreren Zürcher Bibliotheken vorhanden, für eine genaue Übersicht siehe den Online-Verbundskatalog NEBIS (für Bibliotheken ausserhalb Zürichs siehe die Hinweise zur elektronischen Recherche). Einzelne Beiträge aus Sammelbänden, Zeitschriften und Zeitungsartikel sind auch in der Bestandesübersicht des Russlandschweizer-Archivs nachgewiesen, sofern sie im Russlandschweizer-Archiv vorhanden sind. Dort kann nach Autor, Titelstichworten, Erscheinungsorten etc. gesucht werden.

25 Jahre Osteuropa-Abteilung des Historischen Seminars der Universität Zürich: 1971-1996 / [Carsten Goehrke, Rudolf Mumenthaler, Roman Bühler], Zürich 1996


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Bearbeitet im Sommer 2014 von U. Kälin und H. Villiger.