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Bächler Friedrich (1900-1987)


Identifikation

Signatur:

Ar 195

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1897-2000

Umfang:

1.7 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Friedrich Bächler, eigentlich Fridolin Bächler, wurde am 20.06.1900 in Luzern geboren. Er hatte zwei ältere Schwestern, Paula und Anna und zwei jüngere Brüder, Leo und Alfred. Nach der Schulzeit bekam er einen Lehrvertrag in einer Diamantschleiferei. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Geschäft aufgelöst und Friedrich Bächler musste sich eine neue Lehrstelle suchen. Diese fand er als Feinmechaniker in einer Nähmaschinenfabrik in Luzern. Er schloss seine Lehre ausgezeichneten Noten ab. Nachfolgend arbeitete er bei verschiedenen Arbeitgebern. Seine häufigen Stellenwechsel sind eindrücklich und setzten sich bis zu seiner Pensionierung fort.

1924 trat Friedrich Bächler im Tessin eine Stelle auf einem bekannten Landwirtschaftsbetrieb an. Vorübergehend lebte dann die ganze Familie im Tessin, wo sie das Landgut „Zum Quell“ erwarb. Friedrich Bächler kehrte 1930 nach Luzern zurück, die anderen Familienmitglieder folgten ihm später nach. 1933 lernte er seine Frau Thea Maurer kennen; bald darauf heirateten sie. Zwischen 1934 und 1937 bekamen Friedrich und Thea Bächler zwei Söhne und eine Tochter. Die Familie wohnte zunächst in Littau, danach in Kriens. In dieser Zeit baute Friedrich Bächler gemeinsam mit seinem Brunder Leo eine Werkstätte auf, in welcher auch ein von Friedrich Bächler erfundendener Viehstriegel produziert wurde. Weitere Erfindungen von Friedrich Bächler waren u. a. ein Grubenverschluss, Sohlenschützer und ein Teleskop.

Friedrich Bächler war politisch aktiv. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Aus seiner pazifistischen Grundhaltung heraus war ihm die Abschaffung der Militärdienstpflicht ein wichtiges Anliegen. Dafür setzte er sich an verschiedensten Orten ein, so später auch bei der Partei der Arbeit, von der er Hilfe erwartete. Seit den 1960-er Jahren setzte sich Friedrich Bächler gegen die Atomindustrie ein. Noch in hohem Alter wurde er Mitglied der „Gewaltfreien Aktion Inwil“ und führte regen Briefkontakt mit Atomkraftgegnern. Neben seiner Arbeit setzte er sich mit grossen Philosophen auseinander. Sein Denken war stark von Christoph Blumhardt und Leonhard Ragaz geprägt. Eine besondere Anziehung übte Nietzsche auf Friedrich Bächler aus. Darüber hinaus war Friedrich Bächler auch künstlerisch tätig. Er war u.a. Landschaftsmaler und spielte Violine. Anfang der 1980-er Jahre verstarb seine Frau, die er monatelang gepflegt hatte. Friedrich Bächler verschied im Februar 1987.

Übernahmemodalitäten

Die Übernahme der Akten erfolgte am 07.08.2017 aus Familienbesitz. Die Ablieferung wurde von Sabine Nüssli betreut.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält zahlreiche Texte und Aufzeichnungen von Friedrich Bächler, Unterlagen zur Biographie, eine umfangreiche Korrespondenz, Akten zu Erfindungen und Patenten, dokumentarische Sammlungen zu unterschiedlichen Themen (u.a. Religion, Astronomie, Kunst, Militärdienstverweigerung, Israel), Drucksachen und audiovisuelle Dokumente.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden Doubletten, Kopien von Originalen, Zahlungsbelege, Briefumschläge, Presseartikel sowie einzelne Drucksachen, die im Schweizerischen Sozialarchiv bereits vorhanden waren (u.a.: William Branham, ein Mann von Gott gesandt, Hamburg 1953 (Signatur: SOZARCH KS 200/5-6); Zeitschrift Neue Wege, Beiträge zu Religion und Sozialismus (Signatur: SOZARCH N 15); Fremdarbeiter überflüssig? [Schweizerischer Gewerkschaftsbund], 1969 (Signatur: SOZARCH ). Folgende Monographien wurden in den Bibliotheksbestand des Schweizerischen Sozialarchivs integriert:

Folgende Monographien wurden in den Bibliotheksbestand des Schweizerischen Sozialarchivs integriert:

- Dr. Fritz Fassbinder: Die Bedeutung der Astronomie für die Ausbildung der Weltanschauung: Vortrag gehalten am 18.09.1901 im Kaufmännischen Verein Zürich; SOZARCH Hf 5757

- Richard Zoozmann: Dante in einer Auswahl aus der „Göttlichen Komödie“, der „Vita Nuova“ und dem „Kanzoniere“, 1906; SOZARCH Hf 5724

- Wassilij Morosow: Erinnerungen eines Jassnopoljaner Schülers an Leo Tolstoi, 1919; SOZARCH Hf 5731

- Erich Scheuermann: Der Papalagi: die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea, 1922; SOZARCH Hf 5730

- Werner Zimmermann: Lichtwärts : ein Buch über erlösende Erziehung; 2. Auflage, 1922; SOZARCH Hf 5761

- Th. Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte: Roman, 1924; SOZARCH Hf 5746

- Friedrich Nietzsche: Werke, herausgegeben von Alfred Baeumler, 1932; SOZARCH Hf 5732:8

- Ludwig Fliegel: 1000 Aerzte gegen die Vivisektion (wissenschaftliche Tierfolter) : wegen ihrer Grausamkeit und Nutzlosigkeit, [1935]; SOZARCH Hf 5763

- Friedrich Nietzsche / Von Gut und Böse. Basel: Verlag Benno Schwabe & Co., 1942; SOZARCH Hf 5742

- Liederbuch des Eidgenössischen Sängervereins, Band I, 1942; SOZARCH Hf 5722:1

- Karl Zickendraht: Sieben Thesen wider den Nietzsche-Geist, [1945]; SOZARCH Hf 5739

- Erwin Lejeune: Naturwissenschaft und Gottesglaube, 1948; SOZARCH Hf 5760

- Martin Buber: Gog und Magog: Eine Chronik, 1949; SOZARCH Hf 5745

- Werner Hodler: Israel das Schicksal der Welt: eine Betrachtung der Judenfrage, 1949; SOZARCH Hf 5723

- Friedrich Nietzsche: eine Lebenschronik / Leopold Zahn., 1950; SOZARCH Hf 5741

- Antonia Vallentin: Leonardo da Vinci: Maler, Erfinder, Philosoph, 1951 (SOZARCH Hf 5743)

- Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse zur Genealogie der Moral, Bd. 76, 1953; SOZARCH Hf 5752

- Nietzsche und sein Zarathustra in psychiatrischer Beleuchtung / von Max Kesselring. 1954; SOZARCH Hf 5740

- Prentice Mulford: Der Unfug des Sterbens, [1955?]; SOZARCH Hf 5729:1

- Henri Rondet: Die Theologie der Arbeit, 1956; SOZARCH Hf 5759

- Johann Christoph Blumhardt: Der Geisterkampf in Möttlingen, 1957; SOZARCH Hf 5744

- Walter Nigg: Von Heiligen und Gottesnarren: Bd. 79, 1953/1956, Artemis Verlags-AG, Zürich, 1960; SOZARCH Hf 5753

- Adolf Tüllmann: Das Liebesleben der Naturvölker : eine Darstellung des sexuellen Verhaltens in urtümlichen Gemeinschaften, 5. Auflage, 1963; SOZARCH Hf 5758

- Paracelsus: in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten / dargestellt von Ernst Kaiser, Oktober 1973; SOZARCH Hf 5750

- Theun de Vries: Baruch de Spinoza in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1970; SOZARCH Hf 5751

- Milan Rýzl: ASW : Phänomene aussersinnlicher Wahrnehmung: Telepathie, Hellsehen, Präkognition, Psychokinese, Psi-Phänomene: Jenseitsforschung ohne Spekulation, 1973; SOZARCH Hf 5738

- Werner Keller: Was gestern noch als Wunder galt : die Entdeckung geheimnisvoller Kräfte des Menschen, 1973; SOZARCH Hf 5762

- Robert Kehl: War nichts Neues, Heft a der Schriftenreihe: Die Religion des modernen Menschen; Ideologische Grundlagen universeller Religion, 1974; SOZARCH Hf 5754

- Argumentation und Dokumentation betreffend die Trennung von Staat und Kirche, [Aktionskomitee Trennung von Staat und Kirche], 2. Auflage, 1976; SOZARCH Hf 5755

- Nikolaus von Flüe: Lebensbild Heiligsprechung, 1978; SOZARCH Hf 5747

- Hermann Hesse: Siddhartha: Eine indische Dichtung, 1980; SOZARCH Hf 5728

- Friedrich Nietzsche: Gedichte (Inselbücherei Nr. 361); SOZARCH Hf 5727

Neuzugänge

Nachlieferungen werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Akten in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Michael Töngi, Erika Nüssli-Bächler: Friedrich Bächer 1900-1987, ein Lebensbild, o.O. 2000


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde im August 2017 von H. Villiger bearbeitet.