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Adler, Friedrich und Kathia


Identifikation

Signatur:

Ar 198.30

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1917–1977

Umfang:

0.2 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Friedrich Adler wurde am 9.7.1879 in Wien geboren. Er war der Sohn von Emma und Victor Adler, dem Einiger und Gründer der österreichischen Sozialdemokratie. Nach Abschluss der Realschule übersiedelte er nach Zürich, um zuerst Chemie und dann Physik zu studieren. Im Kreise der zahlreichen russischen Studenten in Zürich lernte Adler seine Frau Kathia kennen. 1902 promovierte er zum Dr. phil. 1910 übernahm Friedrich Adler die Chefredaktion der sozialdemokratischen Zürcher Zeitung Volksrecht und wurde im Jahr darauf in Wien zu einem der vier Sekretäre der österreichischen sozialdemokratischen Partei. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, geriet Friedrich Adler als unbedingter Kriegsgegner in einen scharfen Gegensatz zur Mehrheit der Parteiführung. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er aber bekannt, als er am 21.10.1916 den damaligen Ministerpräsidenten Karl Graf von Stürgkh erschossen hatte. Nach einem aufsehenerregenden Prozess, über den in den Zeitungen breit berichtet wurde, verurteilte man Adler zum Tode. Die Strafe wurde später in eine achtzehnjährige Kerkerstrafe umgewandelt. Am 1.11.1918 wurde Friedrich Adler begnadigt und konnte das Gefängnis verlassen. Er wurde Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates und 1921 Sekretär der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien. Nach Aufenthalten in Zürich und Brüssel, von wo aus er ab 1938 die Auslandsvertretung österreichischer Sozialisten (AVOES) leitete, floh er 1940 nach New York und gründete nach dem Kriegseintritt der USA das Austrian Labor Committee (ALC). Diese Vereinigung war eine erfolgreiche Gegenkraft zu den österreichischen Monarchisten, die sich als die alleinigen Interessenvertreter Österreichs sahen. Zwei Jahre nach Kriegsende kehrte er nach Zürich zurück. Er starb Anfang 1960.

Kathia Adler (ledig: Katja Ja. Germanickaja) wurde am 27.2.1879 in Lida (Russland, heute: Litauen) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums kam sie 1898 nach Zürich, um an der Universität Zürich Physik zu studieren (Doktorexamen 1904). Hier lernte sie Friedrich Adler kennen, den sie 1903 heiratete. Sie gebar zwei Töchter (Alice und Emma) und einen Sohn (Felix). Währendem sich ihr Mann in der schweizerischen, der internationalen und ab 1911 in der österreichischen Sozialdemokratie engagierte, lebte sie zusammen mit ihrer Mutter und den Kindern in Zürich. Vom Attentat in Wien erfuhr sie durch einen Freund. Sie reiste zum Prozess nach Wien, kehrt dann wieder in die Schweiz zurück. 1937 hielt sie sich zusammen mit ihrem Mann in Brüssel auf. Nachdem die Einreise in die Schweiz durch die Fremdenpolizei abgewiesen wurde, begab sich Kathia Adler nach New York. Hier blieb sie bis 1950 und kehrte dann zu ihrem Mann nach Zürich zurück. Sie starb 1969 in Zürich.

Übernahmemodalitäten

Die Unterlagen stammen aus dem Besitz von Herrn Gerhart Waeger, Zürich. Sie wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 12.11.2007 durch Franz Ulrich übergeben. Gerhart Waeger ist der Enkel von Friedrich und Kathia Adler.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Nachlasssplitter, vorhanden sind Akten von Friedrich und Kathia Adler: Ego-Dokumente, vereinzelte Briefe, Zeitungsartikel und Zeitschriften, Fotografien, Diverses.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden einzelne Tier-Abbildungen und Zeitungsartikel. Die Fotodokumente wurden der Abteilung Bild+Ton des Schweizerischen Sozialarchivs übergeben.

Neuzugänge

Neuzugänge werden erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Die vorhandenen Dokumente sind im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs frei zugänglich. Es gelten die ordentlichen Benutzungsbestimmungen des Schweizerischen Sozialarchivs.

Sprache/Schrift
Unterlagen vorwiegend in deutscher Sprache (einzelne Dokumente in russischer Sprache)

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Der Attentatsprozess gegen Dr. Friedrich Adler, Zürich, Genossenschaftsdruckerei, 1917, Signatur: 32/97-17 und Ve 194

Friedrich Adler zum achtzigsten Geburtstag, Wien, Sozialistische Partei Österreichs, 1959 (für den Inhalt verantwortlich: Oskar Pollak), Signatur: Ar 198.30.1


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde im November 2007 von Daniel Röttele bearbeitet.