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Aktion Strafvollzug ASTRA


Identifikation

Signatur:

Ar 201.245

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1973-1979

Umfang:

0.05 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

[Gegründet am 29.09.1973 in Zürich, formell aufgelöst per Ende 1978]

Am 26. August 1972 trat ein Häftling der Strafanstalt Bochuz (VD) aus Protest gegen die Zustände in schweizerischen Gefängnissen in einen unbefristeten Hungerstreik. Dieser Schritt löste in der ganzen Schweiz eine spontane Unterstützung durch Gefangene aus. Die Behörden reagierten recht unwirsch und wiesen die Anschuldigungen zurück, worauf aus den Strafanstalten Bochuz, Regensdorf und Thorberg an den Bundesrat adressierte Petitionen mit konkreten Forderungen eingingen.

Unabhängig von diesen Protestaktionen organisierten sich gleichzeitig in verschiedenen Städten Strafvollzugsgruppen, ausgehend von den Universitäten, der Sozialarbeit und kirchlichen Kreisen, die sich für demokratische Reformen im Strafvollzug einsetzten. Solche Gruppen bestanden Anfang 1973 u.a. in Basel, St. Gallen, Solothurn, Bern und Zürich. Anfang 1973 schlossen sie sich in der "Offenen Arbeitsgruppe zur Erneuerung des Strafvollzugs" zusammen und sie versuchten zunächst, die bestehende Schweizerische Gefangenen-Gewerkschaft (SGG) zu reaktivieren und sie zu einer aktiven Interessenvertretung umzubauen. An der Generalversammlung der SGG vom 30. Juni 1973 in Basel konnten die rund 90 anwesenden Mitglieder der "Offenen Arbeitsgruppe" ihre Forderungen nicht durchsetzen und wurden gleich zu Beginn der GV ausgeschlossen. Noch am gleichen Tag wurde beschlossen, einen gesamtschweizerischen Verein zu gründen; die Gründungsversammlung wurde auf den 29.09.1973 festgesetzt. Die in der Romandie aktive "Groupe Action Prison" arbeitete ab April 1974 mit der ASTRA zusammen und gab ab Sommer 1976 eine eigene Zeitschrift heraus: "Le passe-muraille".

Die Aktion Strafvollzug wurde vom Staatsschutz zwischen 1973 und 1979 mit insgesamt 191 Einträgen fichiert. Die politischen Attacken auf die Strafvollzugsbehörden führten zu Reaktionen. Im Sommer 1974 verfügten alle kantonalen Justizdirektionen ein Kontaktverbot gegenüber der Aktion Strafvollzug: Korrespondenzen zwischen der ASTRA und Strafgefangenen wurden nicht mehr ausgehändigt, die Zeitschrift "Schwarzpeter" in den Strafanstalten verboten, die Tagespresse zensuriert. Durch die intensivere Beschäftigung mit dem Thema "Isolationshaft" geriet die Aktion Strafvollzug vollends ins Fadenkreuz der Staatsschutzorgane. Wie die "Rote Hilfe" oder die "Roten Steine" galt die ASTRA ab 1976 als militant-linksextreme, "politkriminelle" und zu Gewalt und Terrorismus neigende Organisation.

Übernahmemodalitäten

Die Unterlagen wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 14. November 2011 von Francesca Carbone übergeben.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Archivsplitter; vorhanden sind ausschliesslich Drucksachen (Zeitschriften, Flugschriften, Flugblätter) und Kopien.

Der eigentliche Archivbestand befindet sich in Privatbesitz in Bern und besteht aus 6 Bundesordnern: Vorgeschichte und Petitionen 1972-1973 (Ordner 1 u. 2), ASTRA 1973/1974 (Ordner 3), ASTRA 1975 (Ordner 4), ASTRA 1976 (Ordner 5), ASTRA 1977 (Ordner 6). Das ASTRA-Archiv stand H. Stotzer 1996 für die Abfassung ihrer Seminararbeit (Hist. Seminar der Universität Bern) zur Verfügung.

Bewertung und Kassation

Es wurden keine Kassationen vorgenommen.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Texte in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Bearbeitung im November 2011 durch U. Kälin