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Pflegekinder-Aktion Schweiz


Identifikation

Signatur:

Ar 528

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1950-2010

Umfang:

2.5 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschütterte eine Reihe von Skandalen um die Misshandlung von Verdingkindern die Schweiz. Auslöser war eine Artikelserie von C. A. Loosli im Tagesanzeiger anfangs 1946, in welcher er aufgrund von Fallbeispielen die Missstände in der Kinder- und Jugendfürsorge aufdeckte. Unter der Führung des Zürcher Polizisten Josef Hilpertshausen wurde im Februar 1948 die Pflegekinder-Aktion Zürich gegründet, um gegen diese Missstände anzugehen (siehe Ar 525). Rasch trafen auch Hilfsgesuche aus anderen Regionen der Schweiz ein. Die Pflegekinder-Aktion beschloss deshalb, ihre Aktivitäten auf weitere Kantone auszudehnen. 1949 wurde ein Ableger in Appenzell Ausserhoden gegründet, im Oktober 1950 die Schweizerische Pflegekinder-Aktion.

Die Pflegekinder-Aktion wollte benachteiligten Pflegekindern Unterstützung bieten, ein öffentliches Bewusstsein für ihre Rechte schaffen und sie so vor der Willkür der Behörden und Versorger schützen. Sie vermittelte beispielsweise Pflegeplätze bei geeigneten Pflegeeltern, unterhielt Grosspflegefamilien oder bot den Kindern Ferienlager im 1957 erworbenen Ferienhaus Gstalden bei Heiden AR an. Daneben versuchte die Aktion zu vermeiden, dass Kinder überhaupt in Pflege gegeben werden mussten: Sie eröffnete (ebenfalls 1957) das Wohnheim Flurlingen, wo alleinstehende berufstätige Mütter zusammen mit ihren Kindern leben konnten. Weitere solche Wohnheime folgten.

1967 regionalisierte die Pflegekinder-Aktion ihre Strukturen: Die Sektionen wurden zu eigenständigen Regionalvereinen; die Schweizerische Pflegekinder-Aktion fungierte neu als Dachverband. 1980 existierten 12 Regionalvereine mit insgesamt 20‘000 Mitgliedern: Aargau, Appenzell, Basel, Bern, Graubünden, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Winterthur, Zentralschweiz und Zürich. Anfangs der 1980er-Jahre kam noch der Regionalverein Tessin hinzu.

Über die Jahre passte sich die Pflegekinder-Aktion den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen an. Dadurch entwickelte sie sich von einem Verein mit ehrenamtlich engagierten Mitgliedern zu einer karitativen Organisation mit professioneller Fachstelle und rund 25‘000 Gönnerinnen und Gönnern. Neben der Pflegeplatzvermittlung bietet der Verein heute Kurse und Tagungen für Pflegeeltern, Fachleute und Behördenmittgliedern an, berät Sozialbehörden sowie Pflegeeltern und vertritt die Interessen der Pflegekinder gegenüber den politischen Entscheidungsträgern.

Im Jahr 2016 schloss sich die Pflegekinder-Aktion Schweiz mit der Schweizerischen Fachstelle für Adoption zusammen; neue Organisation unter dem Namen "PACH Pflege- und Adoptivkinder Schweiz".

Übernahmemodalitäten

Die Übergabe der Akten erfolgte am 25.06.2013. Die Ablieferung wurde von Philipp Oechsli betreut.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Vorhanden sind: Gremienprotokolle (General- bzw. Mitgliederversammlung, Vorstand, Präsidentenkonferenz), Jahresrechnungen, Jahresberichte, Unterlagen zu Kampagnen/Aktionen, (Sommer-)Ferienlagern. Speziell hervorzuheben sind die Unterlagen zur Auseinandersetzung zwischen der Pflegekinder-Aktion Schweiz mit der Schweizerischen Stiftung MPB [Mütter- und Pflegekinderhilfswerk] in den späten 1980er-Jahren.

Es ist zu beachten, dass zwischen der Pflegekinder-Aktion Schweiz und der Pflegekinder-Aktion Zürich aufgrund der Organisationsgeschichte auch bezüglich der Quellenlage vielfältige Überschneidungen bestehen.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden Mehrfachexemplare und Rechnungsbelege.

Neuzugänge

Nachlieferungen werden erwartet


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Für das Archiv der Pflegekinder-Aktion Schweiz gelten Benutzungsbeschränkungen. Die Einsichtnahme für wissenschaftliche Zwecke ist möglich, setzt aber eine schriftliche Bewilligung des Aktenbildners voraus. Aus diesem Grund sind die Verzeichnungseinheiten ohne Signaturen aufgeführt und damit auch nicht bestellbar. Bitte wenden Sie sich an die Leitung des Schweizerischen Sozialarchivs.

Sprache/Schrift
Unterlagen vorwiegend in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Der Bestand wurde Ende Juni 2013 von U. Kälin bearbeitet.