Landesverband freier Schweizer Arbeitnehmer LFSA, Union Suisse des Syndicats Autonomes USSA, Unione Svizzera dei Sindacati Liberi USSL


Identifikation

Signatur:

Ar 72

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1910-1998

Umfang:

17.2 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Gegr. 1919 als direkte Folge des Landesgeneralstreiks von 1918, in Abgrenzung sowohl zu den SGB- als auch zu den konfessionellen Gewerkschaften. Leitmotive waren die politische und konfessionelle Neutralität, die "vaterländische Einstellung" sowie das Streben nach friedlichem Ausgleich der Gegensätze zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. 1976 Namensänderung (von Landesverband freier Schweizer Arbeiter in Landesverband Freier Schweizer Arbeitnehmer. Der LFSA verkörperte die sog. freiheitlich-nationale, national-liberale oder sozial-liberale Gewerkschaftsrichtung. 1920 erfolgte die staatliche Anerkennung als Spitzenverband (Bundessubvention zugunsten des Zentralsekretariats). In den dreissiger Jahren wurden mehrere Kreissekretariate eröffnet. Das Zentralsekretariat verblieb bis 1941 in St. Gallen; 1941 erfolgte der Wechsel nach Zürich

Ins Jahr 1953 fällt die Schaffung einer Frauenkommission und einer Jugendkommission. Nach mehrmaligen Neugründungen und Auflösung wurden diese 1978 endgültig abgeschafft und durch periodische Frauen- und Jugendkonferenzen ersetzt. In den frühen 60er Jahren wurde ein italienischsprachiger Sekretär eingestellt. In dieser Zeit kam es zur Gründung der "Associazione italiana die Sindacati liberi" als Unterorganisation für die italienischen Mitglieder. Interner Druck führte dazu, dass der Ausländeranteil in der Folge stark sank. Im Herbst 1998 erfolgte der Zusammenschluss von CHB (Christlicher Holz- und Bauarbeiterverband der Schweiz), CMV (Christliche Gewerkschaft für Industrie, Handel und Gewerbe), LFSA und SGG (Schweizerische Grafische Gewerkschaft) zur Gewerkschaft SYNA.

Der LFSA kann als ausgesprochener Verfechter der liberalen Marktwirtschaft und einer nationalistischen Grundhaltung gelten. In der Nachkriegszeit nahm der LFSA eine führende Rolle bei der Gründung des Weltbundes freiheitlicher Arbeitnehmerverbände auf liberaler Wirtschaftsgrundlage ein (1948).

Mitgliederzahlen:

1940: 8'500

1960: 18'169

1980: 22'319

1987: 22'079

Kollektiv angeschlossene Verbände:

- Neutrale Strassenbahner Basel

- Textilverein St. Gallen

- Heimarbeiterinnenverband St. Gallen

- Schweiz. Zahntechniker-Vereinigung; 1942; ab 1949

- Association suisse des agents techniques de l'entreprise de télécommunication ASATET; 1952; ab 1952

- Schweiz. Organisation der Lichtpaus- und Plandruck-Angestellten SOLPA; 1947; ab 1956

- Schweiz. Gärtnerverband (Schweiz. Privatgärtner-Verband, Namensänderung 1973); 1909; ab 1977

- Schweizerischer Fotografenbund SFB; 1938; 1954-1986

Berufsverbände:

- Forstpersonal-Verband der Schweiz FPV; 1981

- Berufsverband der Floristinnen und Floristen; 1982

- Personalverband der schweiz. Fotobranche (entstanden aus der Integration des Schweiz. Fotografenbundes in den LFSA als Berufsverband); 1986
Übernahmemodalitäten
Der Bestand gelangte im Oktober 1999 ins Schweizerische Sozialarchiv.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Im LFSA-Archiv vorhanden sind die Protokollserien der Verbandsorgane (Delegiertenversammlung, Zentralvorstand, Zentralausschuss, Geschäftsleitung, Sekretärenkonferenz) sowie die Publikationen (Jahres- und Sekretariatsberichte, Rundschreiben an die Sekretäre, Soziale Schriftenreihe). Die Verbandszeitungen (Der Schweizer Arbeiter, 1989-1997: Der Schweizer Arbeitnehmer, ab 1997: works/Le courrier professionel bzw. L'autonome) wurden der Periodica-Abteilung des Sozialarchiv übergeben [Signaturen SOZARCH: G 43 und D 2094]. Hervorzuheben sind ferner die umfangreichen Sekretariatsakten (Zentralsekretariat, Kreissekretariate) und die Unterlagen der LFSA-Sektion und Kreisverbände. Die Ueberlieferung der Unterverbände ist mangelhaft; einzig für den Forstpersonal-Verband ist ein grösserer Bestand vorhanden. Gut dokumentiert sind die Kollektivarbeitsverträge für wichtige Industrien und Gewerbe: Baugewerbe, Maschinen- und Metallindustrie, Autogewerbe, Bekleidungsindustrie, Nahrungsmittelindustrie, Holzgewerbe, etc. Im Bereich Freizeit/Bildung ist auf die Unterlagen zu den LFSA-Kinderferienlagern ab 1952 hinzuweisen. Ein umfangreicher Bestand liegt für den Weltbund freiheitlicher Arbeitnehmerverbände auf liberaler Wirtschaftsgrundlage WfAVLW (später: Bund Freier Gewerkschaften) vor, an dessen Gründung im Jahre 1948 der LFSA massgeblich beteiligt war. Das LFSA-Archiv enthält schliesslich einen reichhaltigen Bestand an audiovisuellen Medien: Fotografien, Video-, Ton- und Filmdokumente. [Ein Teilbestand im Umfang von 0.3 m – Akten aus dem Besitz von Gustav Egli – wurde im Mai 1999 dem Schweizerischen Wirtschaftsarchiv in Basel übergeben: SWA PA 516.]
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Doppel- und Mehrfachexemplare, Buchhaltungsbelege sowie Akten, die zu rein organisatorischen Zwecken produziert wurden.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher, französischer und italienischer Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Die archivische Erschliessung und Verzeichnung wurde von Laszlo Parragi und Urs Kälin zwischen Oktober und Dezember 1999 ausgeführt.