Koch, Ursula (*1941)

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Identifikation

Signatur:

Ar 156

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1984-2007

Umfang:

2.5 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Ursula Koch, geb. Pommeranz, wurde am 1. Juli 1941 als Tochter eines polnischen Juden in Zürich geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sie absolvierte in Stäfa am Zürichsee die Sekundarschule, anschliessend verbrachte sie ein Jahr als Haushaltshilfe in Lausanne, wo sie verschiedene Sprachen erlernte. Sie kehrte nach einem Jahr nach Zürich zurück und besuchte das Lehrerseminar. 1962 ging sie für ein Austauschjahr an die Universität Eugene in Oregon/USA. 1963 begann sie in Zürich als Werkstudentin ein Studium der Naturwissenschaften und promovierte abschliessend im Hauptfach Chemie. Von 1970 bis 1976 arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin am Organisch-Chemischen Institut der Universität Zürich.

1972 trat Ursula Koch der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei. Ab 1976 widmete sich nur noch der Politik, bis 1979 in der Funktion der Parteisekretärin des Kantons Zürich, danach bis 1986 als Geschäftsführerin der Schweizerischen Energiestiftung. 1979 wurde Ursula Koch zusätzlich in den Zürcher Kantonsrat gewählt. Ihren Eid legte sie aufs Mutter- statt aufs Vaterland ab, was eines der ersten Anzeichen eines Umbruchs in der damals noch von Männern dominierenden Politik war. 1986 wurde sie in den Stadtrat von Zürich gewählt, wo sie das Hochbauamt inne hatte. 1990 und 1994 wurde sie in ihrer Tätigkeit vom Stimmvolk bestätigt. Ursula Koch überzeugte bei ihren Wählern mit Durchsetzungsvermögen, auch sie scheute es nicht sich mit politischen Gegnern anzulegen. Sie liess sich weder von ihren Gegnern noch von Männern etwas sagen und wurde dadurch zum Vorbild für viele politisch aktive Frauen.

Als verantwortliche Stadträtin für Siedlungsplanung, Städtebau und Bauwesen verfolgte sie ein Leitbild von Zürich als Wohnstadt mit Lebensqualität und setzte gegen heftigen Widerstand eine umstrittene Bauordnung durch, der die Zürcher 1992 in einem Referendum zustimmten, die ihre Kontrahenten aber mit Einsprache blockierten. 1996 setzte der Kanton gegen die Stadt eine neue Bauordnung durch – für Ursula Koch eine „Niederlage der Demokratie“.

Gegenüber den anderen Parteien pflegte Ursula Koch einen eher konfliktbereiten Kurs, zumal sie etwa in der Wirtschaftspolitik vornehmlich Vorstellungen des linken SP-Flügels vertrat. Durch ihre deutlich linke Profilierung der SP entstanden verstärkt Konflikte mit der Schweizerischen Volkspartei, die sich unter dem Einfluss von Christoph Blocher verstärkt rechtpopulistisch orientierte und in direkter Konfrontation zur SP Wähler hinzugewann. Die Spannungen zwischen SP und SVP wirkten sich auch auf die Politik der Bundesregierung aus und erschwerten die in der Schweiz übliche Konkordanz.

Nach den Nationalratswahlen vom Oktober 1999 wurde die innerparteiliche Kritik an Ursula Kochs Führungsstil mehr und mehr öffentlich ausgetragen. Im Februar 2000 forderten Mitglieder des Parteivorstandes offen den Rücktritt der Parteipräsidentin, welchen Ursula Koch aber mehrmals ablehnte. Im April 2000 trat Ursula Koch aus gesundheitlichen Gründen als Präsidentin der SPS und von all ihren politischen und öffentlichen Verpflichtungen zurück.
Übernahmemodalitäten
Die Unterlagen wurden von Ursula Koch am 19.03.2007 ohne Vorankündigung persönlich vorbeigebracht. Auf Wunsch von Ursula Koch wurde keine Archivvereinbarung abgeschlossen. Die Abgabe erfolgte mit dem expliziten Wunsch, das Sozialarchiv solle mit den Unterlagen anstellen, was immer es für angemessen erachte.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Vorlassbestand. Zeitlich liegt der Schwerpunkt auf den Jahren 1984-2001. Es sind nur wenige lebensgeschichtliche Dokumente vorhanden. Die bestehende Ordnung wurde weitgehend übernommen.
Bewertung und Kassation
Mit Ausnahme von Dubletten und Mehrfachexemplaren wurden keine Kassationen vorgenommen.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Es bestehen Benutzungsbeschränkungen. Bitte wenden Sie sich an die Leitung des Schweizerischen Sozialarchivs.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet 2007 von N. Baptista und U. Kälin