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Dokumentation Umberto Blumati


Identifikation

Signatur:

Ar 201.89

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

(1949-) 1970-1986

Umfang:

0.9 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Dokumentation zur Jugendbewegung, vor allem in Zürich, in den 1970er und 1980er Jahren, zusammengetragen von Umberto Blumati.

Der Bestand ist äusserst heterogen, erstreckt sich von Jugendarbeit in den 70er/80er Jahren über politischen Kampf in den 80er Jahren. Doch besteht durchaus ein Zusammenhang. Umberto Blumati, gelernter Sozialpädagoge, war in der Jugendarbeit tätig, der Kontakt zur Jugendbewegung lag nahe, zumal er sich für die Errichtung von selbstorganisierten Jugendhäusern und „Kultis“ einsetzte. Insofern teilte er das Anliegen der Bewegung der 80er Jahre.

Bereits in den 1970er Jahren war Blumati in der Jugendbewegung aktiv. Die Selbsthilfeorganisation Speak-Out, für die er arbeitete, befand sich innerhalb der Autonomen Republik Bunker, und auch die Heimkampagne (HK), worin Blumati ebenfalls aktiv war, entsprang dem Bunker-Umfeld. Die HK nahm den Kampf gegen Jugenderziehungsanstalten auf, da viele im Bunker aus solchen Heimen stammten oder fürchten mussten, zukünftige Insassen zu werden. Wie unmittelbar die staatliche Repression wahrgenommen wurde, zeigt ein Aufruf: „Nimm so schnell als möglich Kontakt auf mit der HEIMKAMPAGNE! Mach es bevor Du verlocht bist!!“

Der Schritt zur Drogenarbeit erfolgte hingegen hauptsächlich über das AJZ. Das AJZ war gezwungen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, da es von Drogenabhängigen frequentiert wurde, wobei viele Drogenabhängige geradezu ins AJZ getrieben wurden. So entstand der Tschönki-Raum, das Projekt der AJZ Drogengruppe, die - jenseits der Repression – einen anderen Umgang mit der Drogensucht anstrebte.

Der Bestand zeigt, wie sehr sich die Jugendbewegung der 70er Jahre von jener der 80er Jahre unterschied, und dennoch eine starke Kontinuität bestand.

Übernahmemodalitäten

Dem Schweizerischen Sozialarchiv übergeben von Umberto Blumati im Frühling 1998.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält u.a.: Unterlagen zur Heimkampagne, 1970-1973: Statuten, Organisatorisches und Geschichtliches; Protokolle, Korrespondenz, Arbeitsdokumente, Drucksachen und Publikationen; Materialien nahe stehender Organisationen. Unterlagen des Vereins Zürcher Jugendhaus, 1949-1981, und des Initiativkomitees für ein Zürcher Jugendhaus (v.a. betr. Drahtschmidli und Schindlergut): Jahresberichte, Protokolle, Infobulletins, Berichte. Unterlagen zum Projekt "Speak-Out", 1969-1980: Statuten, Protokolle des Präsenzdienstes, Unterlagen zu Musikfesten und Festivals. Städtische Jugendfreizeitkonzeption und Jugendarbeit (ca. 1972-1980): Arbeits- und Seminarunterlagen, Berichte, Stellungnahmen und Reaktionen von Behörden und sozialen Institutionen, handschriftliche Notizen von U.B. Autonomes Jugendzentrum Zürich (1980-1984): Materialien der Drogengruppe, Unterlagen des Vereins Pro AJZ, Unterlagen der Aktionsgruppe Rote Fabrik, Interessengemeinschaft Kaserne ((1983/1984) und Kanzlei (1984-1986), umfangreiche Flugblatt-Sammlung (1980, 1981). Dokumente zum Mieter- und Häuserkampf in der Stadt Zürich, ca. 1976-1987.

Bewertung und Kassation

Kassiert wurden Doppel- und Mehrfachexemplare. Im Schweizerischen Sozialarchiv bereits vorhandene Periodika-Bestände wurden ebenfalls kassiert.

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Archivbestände: Periodika:
Veröffentlichungen

- Hans-Peter Müller und Gerold Lotmar (Hg.). Der Bunker von Zürich: Jugend zwischen Rückzug und Revolte: Ein Modellfall. Olten, 1972. Signatur: 48151

- Hanspeter Kriesi. Die Zürcher Bewegung : Bilder, Interaktionen, Zusammenhänge. Frankfurt/Main 1984. Signatur: 75469


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Bearbeitung durch lic.phil. Claudia Graf, November 1999.