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Sozialistische Arbeiterjugend Zürich SAJ


Identifikation

Signatur:

Ar 81

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1921-2001

Umfang:

1.0 m


Kontext

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben

Nach dem endgültigen Bruch zwischen der SPS und der Sozialdemokratischen Jugendorganisation der Schweiz (SJO) im Dezember 1920 stand die sozialdemokratische Jugendbewegung vor einem Scherbenhaufen. In Zürich blieb nur eine Rumpfgruppe der alten SJO bestehen. Sie zählte 1923 ganze 25 Mitglieder, die in der Jugendgruppe Zürich 3 organisiert waren und auf die Unterstützung der Kreispartei Zürich 3 zählen konnten. Aus dieser Jugendgruppe heraus entwickelte sich 1924/1925 die Sozialistische Jugend Zürich. Sie erhielt von der Stadtpartei eine Subvention für die Lokalmiete und organisierte ab 1925 regelmässig Bildungsveranstaltungen. Hauptinitianten der SJ Zürich waren Kurt Liebermann, Ernst Kessler und Georg Stoll.

Im Juni 1929 wurde eine Namensänderung in "Sozialistische Arbeiterjugend Zürich" beschlossen. Begründet wurde diese Namenserweiterung mit der Überzeugung, dass die Ziele und Ideale der SAJ vor allem diejenigen der proletarischen Jugend werden müssten. Zweifellos trugen die Traditionen in den deutschsprachigen Nachbarländern Deutschland und Österreich wesentlich zu dieser Namensänderung bei.

Die SAJ Zürich entwickelte sich parallel zu anderen sozialistischen Jugendbewegungen, namentlich zur Freischar und zum Freibund. In Zürich bestand zwischen der SJ und der Freischar seit 1925 eine Arbeitsgemeinschaft. Freischar und Freibund suchten eher die Mittelschülerinnen und Mittelschüler zu gewinnen. Ihnen begegneten die jungen Arbeiter und Lehrlinge mit einigem Misstrauen, teilweise wurden sie als "Salon-" oder "Süsswassersozialisten" gar abgelehnt.

In organisatorischer Beziehung unterschied sich die Aktivität der SAJ bewusst von jener der bürgerlichen Jugendgruppen. Im Gegensatz zu den kirchlichen Jugendgruppen und den Pfadfindern verwaltete sie sich selbst. Die Gruppen wählten ihre Funktionäre aus den eigenen Reihen, und die Organisation wurde durch Jugendliche geführt. Auch ihre Zeitschriften wurden durch Genossinnen und Genossen redigiert und administriert, die alle der gleichen Altersschicht angehörten und nie älter als 25 Jahre waren.

In ihren besten Zeiten zählte die SAJ rund 350 Mitglieder, die Mehrheit der davon war unter 20 Jahre alt und rund ein Drittel waren Frauen. In ihrem Alterssegment erzielte sie damit einen Organisationsgrad, der deutlich hinter demjenigen der Sozialdemokratischen Partei an der erwachsenen Gesamtbevölkerung zurück blieb (1933 zählte die SP der Stadt Zürich 8'294 Mitglieder).

Bis 1931 umfasste die SAJ Zürich vier Gruppen: SAJ Altstadt, SAJ Aussersihl, SAJ Friesenberg und SAJ Industrie. Daneben gab es die Jung-Ordner-Gruppe, eine Mädchengruppe sowie vier Jung-SAJ-Gruppen, die nach bekannten Führern der Arbeiterbewegung genannt wurden: Viktor Adler, Herman Greulich, Karl Liebknecht und Giacomo Matteotti. Am 31. Oktober 1931 schlossen sich die SAJ-Gruppen im Kanton Zürich zum Verband der Sozialistischen Arbeiter-Jugend des Kantons Zürich zusammen. Dem Kantonalverband gehörten 1932 vierzehn SAJ-Sektionen an: Albisrieden, Altstetten, Bäretswil, Dietikon, Dietlikon-Brüttisellen, Glattfelden, Höngg, Oerlikon-Seebach, Schlieren, Thalwil, Wald, Wetzikon, Winterthur und Zürich.

Die Eingemeindung von 1934 machte eine Reorganisation der Stadtzürcher SAJ erforderlich. Der Name SAJ Zürich wurde erweitert zu Sozialistische Arbeiterjugend Gross-Zürich. Die bisher selbständigen SAJ-Gruppen in Oerlikon-Seebach, Höngg und Altstetten wurden mit der SAJ Zürich vereinigt. In den frühen dreissiger Jahren war die SAJ Zürich innerhalb der SJS die grösste und aktivste Sektion. Zwischen 1933 und 1936 entstanden in den verschiedenen Kreisen der Stadt Zürich neue Gruppen, einige bestehende wurden aufgelöst. 1936 bestanden folgende Gruppen: Josef Gerl (Zürich 3/4), Industrie (Zürich 5), Matteotti (Zürich 6), Maxim Gorki (Zürich 7), Henri Barbusse (Zürich 8), Karl Marx (Zürich 11), Koloman Wallisch (Zentrale Sportgruppe). Ab 1933 nahmen die Spannungen zwischen der SAJ und der SP deutlich zu. Kristallisationspunkte dieser Auseinandersetzungen waren das Verhältnis der SAJ zur linken SP-Opposition und die Frage der Einheitsfront. Im Januar 1940 kam es zum endgültigen Bruch und im August 1940 wurde die SAJ (SJS) mit den kommunistischen Organisationen durch Bundesratsbeschluss verboten.

Übernahmemodalitäten

Der vorliegende Bestand stammt aus dem Besitz von Robert Risler, Zürich, und wurde dem Schweizerischen Sozialarchiv im Herbst 2000 übergeben.


Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt

Der Bestand enthält: Statuten, Protokolle, Programme, Präsenzbücher, Jahresberichte, Korrespondenz, Sprechchöre, Zeitungsausschnitte; Drucksachen (Zeitschriften, Broschüren, Flugblätter); Unterlagen zu den Wanderheimen Bettswil (1931-1934) und Rüetswil (1934-1941); Foto- und Filmdokumente; Unterlagen der Alt-SAJ 1953-2001 (Einladungen, Präsenzlisten, Umfrage 1962, Erinnerungsberichte, Fotodokumente etc.), Objekte (Ansteckknöpfe und -nadeln, Gürtelschnallen, Armbinden, Wimpel, Fahnen, Marken etc.).

Neuzugänge

Neuzugänge werden nicht erwartet.


Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen

Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.

Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen

Urs Kälin: „Leben heisst kämpfen!“ Bilder zur Geschichte der Sozialistischen Arbeiterjugend Zürich, 1926-1940, Zürich 2001.


Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in

Die Bearbeitung erfolgte durch U. Kälin im April 2002.