Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte: Archivalien


Identifikation

Signatur:

Ar 685

Entstehungszeitraum / Laufzeit:

1833-2012

Umfang:

3.1 m


Kontext

Abgebende Stelle
Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte, Kanzleistrasse 56, 8004 Zürich (Kanzlei-Schulhaus)
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Roland Gretler wurde 1937 in St. Gallen geboren. Er besuchte eine Handelsschule in St. Gallen und zog später nach Basel, wo er am Schweizerischen Tropeninstitut arbeitete. Er erlangte ein Diplom als Pflanzer und absolvierte ein landwirtschaftliches Praktikum im Gutsbetrieb Maggi Kemptthal. Schon bald zog es ihn nach Zürich, wo er bei Johannes Meiner eine Lehre als Fotograf begann. Er wechselte zu René Groebli und arbeitete bei ihm als Volontär und angestellter Fotograf. Anschliessend war er Leiter des Fotoateliers der Werbeagenturen Walter Greminger und Rudolf Farner und eröffnete schliesslich sein eigenes Atelier für Werbe-, Industriefotografie und Sachaufnahmen. In der Zeit um 1968 wurde er politisch aktiv. Er war mit Niklaus Meienberg befreundet, mit dem er auch zusammenarbeitete.

Ab den frühen 1970-er Jahren begann Roland Gretler mit der systematischen Sammlung von Dokumenten zur Arbeiterbewegung, wobei der Fokus auf Bilddokumenten lag. Die von Roland Gretler erkannte Marginalisierung der Fotografie der Arbeiterbewegung, auch von Seiten etablierter Institutionen wie dem Schweizerischen Sozialarchiv oder dem Archiv des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, war dabei eine zentrale Motivation. Tatkräftig unterstützt wurde Roland Gretler von seiner Ehefrau Anne Gretler. Die zunächst «Bildarchiv und Dokumentation zur Geschichte der Arbeiterbewegung» benannte Sammlung wurde rasch zur Anlaufstelle für Zeitungsredaktionen, Organisationen und AusstellungsmacherInnen, die dokumentarisches Material suchten. In den 1990-er Jahren wurde das Sammelspektrum auf weitere soziale Bewegungen ausgedehnt und es kam zu einer Namensänderung in «Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte». Gretler war einer der ersten, der das Potenzial fotografischer Bilder erkannte. 1993 konnte das Ehepaar Gretler das, was zuvor im eigenen Atelier zusammengetragen worden war, ins oberste Geschoss des Kanzleischulhauses beim Helvetiaplatz in Zürich übersiedeln. Zusammen mit Fotografien, Büchern, Zeitschriften fügte das Panoptikum Artefakte wie Abzeichen, Henkelmänner für das Mittagessen von Arbeitern und Fahnen, Pflastersteine und die Buchbinderpresse des SP-Mitgründers Herman Greulich zu einer Gesamtschau.

1999 initiierte der Historiker und WOZ-Redaktor Stefan Keller zusammen mit Gleichgesinnten das Projekt eines sozialgeschichtlichen Museums in St. Gallen mit Gretlers Archiv als Grundstock. Ein Museum zur Alltags- und Sozialgeschichte, so hiess es im Konzept, könne überregional in einer «Zeit der Vergesslichkeit» ein Anziehungs- und Treffpunkt werden. Weil Gretlers Archiv stark vom Bild ausgehe, könne es der aktuellen Verlagerung von der Schrift- zur Bildkommunikation entgegenkommen. Trotz breiter Unterstützung aus der HistorikerInnen- und Museumszunft scheiterte das Projekt. Roland Gretler tat sich immer schwerer damit, seine Sammlung loszulassen. In seinen letzten Lebensjahren griff er entsprechende Anregungen und Anstrengungen, den Fortbestand des Panoptikums zu organisieren. kaum mehr auf. Nach Gretlers Tod gelangte die Sammlung aus dem Besitz der Familie ins Schweizerische Sozialarchiv.

Der vorliegende Bestand umfasst die Archivalien, in deren Besitz Roland Gretler auf unterschiedlichste Weise gelangte. Vieles wurde ihm aus dem Freundes- und Bekanntenkreis geschenkt und zur Aufbewahrung überlassen. Einiges hat Roland Gretler auf Flohmärkten und in Antiquariaten erworben und anderes stammt aus dem langjährigen politischen Engagement von Roland Gretler. Der Archivalienbestand kann in verschiedener Hinsicht als Destillat von Gretlers Sammlerphilosophie betrachtet werden, insbesondere hinsichtlich der thematischen Breite, der Vielfalt an Formaten und der Heterogenität der verfügbaren Metadaten.
Übernahmemodalitäten
Der Umzug der Unterlagen erfolgte am 27.05.2019. Der grösste Teil des Fotoarchivs und weitere Teilbestände wie Dokumentationen und Archivalien wurden vom Schweizerischen Sozialarchiv übernommen. Die übrigen Bestände des Panoptikums, insbesondere der Bibliotheksteil mit Monographien und Zeitungen/Zeitschriften, gelangten in andere wissenschaftliche Institutionen, öffentliche Sammlungen, Archive und Bibliotheken.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt
Der Bestand enthält Provenienzbestände (Personennachlässe, Körperschaftsarchive, lebensgeschichtliche Unterlagen), aber auch thematische Dokumentationen sowie Kopien von Staatsschutzakten verschiedener Organisationen (Junge Sektion der PdA, Agitation, ktionskomitee Autonomes Jugendzentrum Zürich). Speziell hervorzuheben sind die Unterlagen zum Arbeiterfotobund Zürich und zur Produga (Zürcher Produzentengalerie).
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Mehrfachexemplare und Dubletten sowie Drucksachen, die im Schweizerischen Sozialarchiv bereits vorhanden sind.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen

Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen vorwiegend in deutscher Sprache

Sachverwandte Unterlagen

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verzeichnungskontrolle

Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet im Sommer 2020 von U. Kälin.